Hohes Potenzial für den digitalen Wandel

Digitalisierung für Unternehmen zunehmend Chance (Quelle: Bitkom 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Routine- oder anspruchsvolle Tätigkeiten, Jobkiller oder Jobmotor – in der Debatte um die Digitalisierung schwirren viele Begriffe umher. Die CSSA hat genauer hingesehen. In der Chemie- und Pharmaindustrie kann keine Rede sein von Routinetätigkeiten, die als besonders leicht ersetz- und automatisierbar gelten.

Es ist keine Gewähr vor Arbeitsplatzverlusten, aber man kann es als ermutigendes Ergebnis werten: 83 Prozent aller Erwerbstätigen in der Chemie- und 84 Prozent in der Pharmaindustrie bewältigen alltäglich Komplexität, Unwägbarkeiten und Wandel. Das hat Sabine Pfeiffer, Professorin für Arbeits- und Industriesoziologie an der Universität Hohenheim, in einer Sonderauswertung für die CSSA herausgefunden. Die Chemie- und Pharmabranche liegt damit deutlich über dem Durchschnitt aller Beschäftigten (74 Prozent) in Deutschland.

Hintergrund der Untersuchung von Pfeiffer und ihrer Kollegin Dr. Anne Suphan sind die teilweise bedrohlichen Prognosen über mögliche Jobverluste als Folge der digitalen Transformation. Die düsterste Prognose stammt von den Wissenschaftlern Michael A. Osborne und Carl Benedikt Frey von der Universität Oxford. Danach wären 42 Prozent aller Arbeitsplätze bedroht – überträgt man ihre Berechnungen für den amerikanischen Arbeitsmarkt auf Deutschland. Ihre Begründung: Egal ob Buchhalter  oder Facharbeiter in der Serienproduktion – viele Beschäftigte schlagen sich im Arbeitsalltag mit Routinetätigkeiten herum. Und die können Roboter oder Maschinen zuverlässiger und genauer erledigen. Dagegen sagt Pfeiffer: „Ein Großteil der Arbeit in Deutschland ist technologisch und organisatorisch so komplex, dass von Routinetätigkeiten keine Rede sein kann“ (siehe Interview).

Gut gewappnet für kommende Herausforderungen"

Um Routine- und Nichtroutinetätigkeit zu unterscheiden, haben Pfeiffer und Suphan den sogenannten Arbeitsvermögensindex (AVI) entwickelt. Der AVI bewertet keine beruflichen Qualifikationen, sondern Erfahrungen von Beschäftigten. Die hohen Werte in der Chemie- und Pharmabranche zeigen laut Pfeiffer, dass die Beschäftigten „für die kommenden Herausforderungen besser gewappnet“ sind. Für die Wissenschaftlerin steht daher die folgende Frage im Mittelpunkt: Wie kann dieses Potenzial für die Gestaltung von Industrie 4.0 genutzt werden? Sie verweist dafür auf eine alte Idee: die partizipative Gestaltung am Arbeitsplatz. Die Beschäftigten müssten von Anfang an miteinbezogen werden. In Deutschland sieht Pfeiffer „ungeheure Ressourcen“ angesichts der Facharbeiter- und der dualen Berufsausbildung. Unternehmen, die diesen Schatz nicht nutzen, würden eine große strategische Chance verpassen.

Die Chemie-Sozialpartner sind in Sachen digitaler Wandel frühzeitig aktiv geworden: Im vergangenen Oktober begannen sie mit der Fachtagung „Work@Industry 4.0“ und der gleichnamigen Website einen Branchendialog. Für mehr Mut zur Digitalisierung plädierte das Unternehmen Merck auf seinem Symposium „Arbeiten 4.0“. Und der BAVC gründete einen Ausschuss Arbeiten 4.0, dem drei Arbeitsgruppen zugeordnet sind. Diese beschäftigen sich mit den Folgen der Digitalisierung: Aus- und Weiterbildung, gutes und gesundes Arbeiten sowie zeit- und ortsflexibles Arbeiten. Die Arbeitsgruppen werden Handlungsempfehlungen und Positionen entwickeln und den Dialog „Work@Industry 4.0“ mit der IG BCE auf Expertenebene führen.

Mehr Infos zum Branchendialog der Chemie-Sozialpartner:
www.work-industry40.de

Mut zur Digitalisierung - „Einfach machen!"

Keine Angst vor der Digitalisierung - das war die Botschaft des Symposiums „Arbeiten 4.0", zu der Kai Beckmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Merck, Anfang März nach Darmstadt geladen hatte. Gäste waren unter anderem Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, und Professorin Anette Weisbecker vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Hier geht es zum Bericht über die Konferenz.

Big Data ist wirklich eine neue Herausforderung

Sabine Pfeiffer ist Professorin für Arbeits- und Industriesoziologie an der Universität Hohenheim. Die Soziologin forscht zum Wandel von Arbeit und Gesellschaft. Aktuelle Themen sind Digitalisierung und Industrie 4.0. Mit der CSSA sprach sie über Industrie 4.0, Routine und die Ressource Partizipation: zum Interview.

Genug Kompetenzen für Industrie 4.0

Die Prognosen könnten gegensätzlicher kaum sein. Hier der Jobmotor Industrie 4.0, der Deutschland rund 400.000 neue Jobs bringt. Dort der Jobkiller, der 42 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland bedroht, überträgt man Berechnungen für den amerikanischen Arbeitsmarkt auf Deutschland. Die CSSA hatte in ihren cssa-news 4/2016 bereits über die Auswirkungen von Industrie 4.0 und den Arbeitsvermögensindex von Sabine Pfeiffer berichtet: zum Artikel.

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