Die Chemie-Sozialpartner gestalten Veränderungen

Die digitale Transformation in den Unternehmen verändert die Art und Weise, wie wir arbeiten. Die betrieblichen Sozialpartner stehen der Digitalisierung nicht abwartend gegenüber. Das Personalwesen und die Betriebsräte nutzen ihr Wissen, um sie zu begleiten und zu gestalten.

Die Sozialpartnerschaft in der chemischen Industrie hat in den Prozessen der Digitalisierung großes Gewicht. Eine Reihe von Unternehmen hat spezielle Steuerungsgremien eingerichtet, um die digitale Technik mit der Organisation der Arbeit zu verknüpfen. Ein Beispiel für eine strategische Allianz dieser Art findet sich bei der BASF: Sie hat eine paritätisch besetzte Begleitkommission aus Betriebsräten, HR- und IT-Fachleuten ins Leben gerufen, die über 4.0-Projekte entscheidet. Bei der Wacker Chemie arbeiten die Betriebsräte an einem Digital-Programm mit. Das Unternehmen greift auf bestehende Erfahrungen zurück und probiert Möglichkeiten zur Digitalisierung erst einmal aus.

Vertreterinnen und Vertreter aus dem Personalmanagement und den Betriebsräten betonen, dass es bei Industrie 4.0 nicht nur um die Technik geht. Im Zentrum stehen „die Menschen, die sie bedienen, entwickeln und kontrollieren“, sagt Oliver Zühlke. „Ohne sie würde überhaupt nichts funktionieren.“ Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei der Bayer AG unterstreicht, Unternehmen und Betriebsrat müssen dazu zusammenarbeiten.

Teams steuern sich selbst

Die neuen Technologien ermöglichen ein zunehmend dezentrales, zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten. Die Folge: Das Recruiting übernehmen zum Teil bereits heute Roboter und Bewerbungsgespräche finden mit Virtual-Reality-Brillen statt. Die Kompetenzentwicklung wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen (siehe cssa-news 4/17). Dabei erlebt die Gruppenarbeit eine Renaissance. In virtuellen Teams arbeiten Kollegen aus Frankreich, China und den USA zusammen. Gleichzeitig führen Vorgesetzte weniger hierarchisch, sondern nehmen vielmehr die Rolle eines unterstützenden Mentors ein. Das Team steuert sich selbst. Die Michelin Reifenwerke in Bad Kreuznach wollen beispielsweise „mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheit auf die Teams verteilen“, so Anna Simon, Projektleiterin Autonomes Management (siehe Interview „Mehr Eigenverantwortung").

Foto: Haus der Arbeitswelten von Merck

Betriebsräte frühzeitig einbinden

Bei Merck in Darmstadt beteiligt sich der Betriebsrat an einer Arbeitsgruppe Digitalisierung. Er richtet sein Augenmerk auf Themen, die mit der neuen Technik in Zusammenhang stehen: Benötigen die Mitarbeiter neue Kenntnisse wie technisches Englisch? Haben sie ausreichend Zeit für die Qualifizierung (siehe Interview „Sinnvolles Zusammenspiel")?

Niemand in den Unternehmen weiß definitiv, wohin es mit der Digitalisierung gehen wird. Das sehen Betriebsräte als die größte Herausforderung für ihre Tätigkeit. „Vom Co-Manager zum Co-Innovator“ beschreibt Dr. Katharina Oerder vom MIT Institut in Bonn die neue Rolle der Arbeitnehmervertreter. Es werde immer wichtiger, dass Betriebsräte frühzeitig in die Begleitung von Projekten eingebunden sind. Um auch Einfluss nehmen und mitentscheiden zu können, würde es zudem helfen, „wenn wir dafür mehr gut ausgebildete Betriebsräte hätten“, sagt Kai-Uwe Hemmerich, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Clariant. Er sieht Arbeitnehmervertreter zudem als „ordnende Hand“, die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Anwendungen sichtbar macht.

Mehr Informationen zum Thema:

Infoportal www.chemie-arbeitgeber.de mit Schwerpunkt „Arbeiten 4.0"

Buch der IG BCE: „Digitalisierung und Industrie 4.0 - Technik allein reicht nicht"

Artikel von Dr. Katharina Oerder: „Mitbestimmung 4.0. Der Wandel der Arbeitswelt als Chance für mehr Beteiligung"

Mehr Eigenverantwortung

Anna Simon ist Projektleiterin für Autonomes Management (MAPP) bei den Michelin Reifenwerken in Bad Kreuznach und beschäftigt sich mit Themen wie Agile Transformation, Selbstorganisation, Moderne Formen der Zusammenarbeit und Teamentwicklung. Mit der CSSA sprach sie über neue Formen der Zusammenarbeit:
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Sinnvolles Zusammenspiel

Charles Hübler ist freigestellter Betriebsrat an den Standorten Darmstadt und Gernsheim bei der Merck KGaA und leitet die Betriebsratsarbeitsgruppe zur Digitalisierung/Industrie 4.0. Im Interview mit der CSSA ging es um die Betriebsratsarbeit im digitalen Wandel:
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