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26.04.2017 10:02 Alter: 179 days

Ideen der Beschäftigten nutzen

Sozialpartnerschaft ist ein „positiver Wettbewerbsfaktor". Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Fraunhofer ISI im Auftrag der CSSA erstellt hat. Wie wird Partizipation als eine Dimension von Sozialpartnerschaft im Betrieb gelebt?



Dimensionen der Sozialpartnerschaft: Partizipation

Sozialpartnerschaft ist ein „positiver Wettbewerbsfaktor“. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe im Auftrag der CSSA erstellt hat. Die Studie geht der Frage nach, wie sich sozialpartnerschaftliche Kooperation auf den Unternehmenserfolg und organisatorische Neuerungen auswirkt (siehe cssa-news 2/2016). Die CSSA will nun aufzeigen, wie Sozialpartnerschaft in den Betrieben konkret dazu beiträgt.

Partizipatives Verhalten, Kommunikation, Betriebsklima, Identifikation, Konfliktbewältigung: Anhand dieser fünf Dimensionen untersuchten die ISI-Forscher die Wirkung sozialpartnerschaftlichen Verhaltens auf den Erfolg von Veränderungsprozessen. Was die Teilhabe (Partizipation) von Beschäftigten angeht, zeigte sich in der ISI-Studie: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen greift bei betrieblichen Veränderungen Ideen der Beschäftigten auf und beteiligt sie an der Umsetzung.

Wie sieht diese Beteiligung in der Praxis aus? Ein großes Chemie-Unternehmen im Industriepark Höchst hat sich Gedanken gemacht, wie seine Beschäftigten zufriedener werden und damit langfristig gesünder bleiben. Zwar hat das Unternehmen seit Jahren regelmäßig die Mitarbeiter danach befragt, wie zufrieden sie mit Vorgesetzten, dem Arbeitsumfeld oder den Kolleginnen und Kollegen sind. Doch die Ergebnisse blieben meist ohne sichtbare Folgen.

Mitarbeiter nach Lösungsvorschlägen fragen

Im Jahr 2013 nahm sich daher eine externe Firma der Befragung an. Sie schlug vor, völlig anders vorzugehen: In Workshops können die Beschäftigten sagen, womit sie unzufrieden sind und wie man es besser machen könnte. An diesen Workshops nehmen mindestens fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus einer Abteilung, ferner der Betriebsrat, teil. Professionelle Moderatoren aus der Schulungsabteilung leiten die Workshops, bei Bedarf auch ein Coach. An Ideen für kleine und große Aktionen mangelt es nicht. Um einige zu nennen: Kummerkasten, Führungskräfteschulungen, eine Klimaanlage im Lager oder die Neugestaltung von Aufenthaltsräumen. Betriebsrat und Unternehmen gehen die Dinge gemeinsam an. Die Beschäftigten in einem Betrieb strichen ihren neuen Pausenraum sogar selbst und bauten eine neue Küche ein. Für die Kosten kam der Arbeitgeber auf.

Und in einer großen kaufmännischen Abteilung verbesserte sich das Betriebsklima spürbar – weil die Sorgen der Beschäftigten ernst genommen wurden. Als sie vor einem Jahr umzogen, durften die Mitarbeiter mitentscheiden, wer mit wem in einem Büro sitzt. Hier erwies sich die Zusammenarbeit der Sozialpartner auch deshalb als besonders hilfreich, weil der Betriebsratsvorsitzende aus der Abteilung kommt. Er kannte die Schwierigkeiten unter manchen Kollegen. Mit seiner Hilfe konnten Beschäftigtengruppen zusammengestellt werden, die sich ideal ergänzten.

Fazit: Teilhabe lohnt sich – im Großen wie im Kleinen. Ein Tipp für andere Unternehmen: Es müssen nicht teure Mitarbeiterbefragungen, Coachings oder Neubauten sein. Viele kleine Betriebe können sich das nicht leisten. Oft zählen schon so einfache Dinge wie die Meinung der Mitarbeiter wertschätzen und ihnen zuhören. Auch das ist eine Form der (An)Teilnahme.

Fakten zur ISI-Studie:

Empirische Grundlage der Studie ist eine standardisierte, quantitative Online-Befragung in Betrieben der chemischen Industrie. Mehr als 500 Unternehmensvertreter schrieben die ISI-Forscher im Dezember 2015 an. Auf die sehr differenzierte und anspruchsvolle Befragung erhielten sie 112 verwertbare Fragebögen zurück. Das entspricht einer Rücklaufquote von 21 Prozent.


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