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10.10.2017 14:41 Alter: 69 days

Probleme frühzeitig ansprechen

Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse unter Kollegen sind im Betrieb meist an der Tagesordnung. Etwa 50 Prozent der Betriebe haben dafür einen klar geregelten Lösungsprozess, 50 Prozent nicht.



Dimensionen der Sozialpartnerschaft: Konfliktbewältigung

Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse unter Kollegen sind im Betrieb meist an der Tagesordnung. Etwa 50 Prozent der Betriebe haben dafür einen klar geregelten Lösungsprozess, 50 Prozent nicht.

Das ist ein Ergebnis der Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in 112 Unternehmen der chemischen Industrie. Seit Ende April dieses Jahres (siehe cssa-news 2/17) berichten wir regelmäßig darüber – in Verbindung mit einem Beispiel aus der Praxis wie die Polycasa GmbH in Mainz. Die hat ihre ganz eigene Art, mit Schwierigkeiten umzugehen. Der Hersteller von Kunststoffplatten geht Konflikte pragmatisch an, mit viel Geschick und den richtigen Ansprechpartnern. Das geht nicht ohne gute Kommunikation und sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit. Denn für Missverständnisse gäbe es in der multikulturellen Belegschaft viele Gründe: Von den 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Mainz stammt knapp die Hälfte aus Ländern wie Italien, Griechenland, Türkei, Kurdistan oder Albanien. Agim Islami ist Meister der Abteilung Halbzeuge und zugleich Mitglied im Betriebsrat. Vor 26 Jahren kam er aus dem Kosovo nach Deutschland. Heute ist er für viele seiner Mitarbeiter der erste Ansprechpartner, wenn sie Rat suchen – auch in Privatangelegenheiten. „Es ist wichtig, gut zuzuhören, was gerade zwischen den Mitarbeitern diskutiert wird und früh auf Störungen im Team zu reagieren“, sagt Islami.

Keine „geschlossenen Gesellschaften"

Islami und Personalleiter Christian Thomas reagierten, als Mitarbeiter vor einigen Jahren Schichtgruppen nach Nationalitäten bildeten. Sie lösten die Gruppenbildung auf, indem sie die Mitarbeiter neu verteilten, und zwar nach Maschinenbedienerkenntnissen und Alter. „Die enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat liefert uns wertvolle Impulse, um unsere Personalentwicklung an den Bedürfnissen der Mitarbeiter auszurichten“, sagt Christian Thomas.
Ein Thema ist natürlich auch die Sprache: Ein Teil der Beschäftigten spricht nicht gut Deutsch. Personalleiter Thomas: „Gerade in Bezug auf Weiterbildung und Wissenstransfer an neue Kollegen ist das nicht so einfach.“ Die pragmatische Lösung: Sie arbeiten viel mit Bildsprache. In neue Aufgaben werden die Beschäftigten immer direkt an der Maschine eingewiesen. Wo weitere Informationen nötig sind, holt sich Islami einen Landsmann dazu, der beide Sprachen beherrscht und dann als „Dolmetscher“ hilft.

Konfliktbewältigung ist eines von fünf Themen der ISI-Studie. Die anderen: Kommunikation, Partizipation, Betriebsklima und Identifikation. Sie sind ganzheitlich zu betrachten. Denn eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft zeigt sich, indem sie die verschiedenen Aspekte wechselseitig zusammenbringt. Polycasa hat da einen guten Weg gefunden. Agim Islamis Tipp für andere Unternehmen: „Man muss es ganz einfach machen.“

 

Die Ergebnisse aus der ISI-Studie:

Die Studie im Auftrag der CSSA untersucht die Wirkung sozialpartnerschaftlichen Verhaltens auf den Erfolg von Veränderungsprozessen. Hinsichtlich der Konfliktbewältigung verdeutlichen die Ergebnisse, dass ein klar geregelter Lösungsprozess bei 44 Prozent aller Befragten in den Betrieben meist nicht existiert. Wenn Konflikte gelöst werden, geschieht dies aber überwiegend im Interesse aller Beteiligten. Dem stimmen 66 Prozent zu. Lediglich die Zeit bis zur Konfliktlösung wird eher durchschnittlich bewertet (60 Prozent), was wiederum an den mangelnden Prozessabläufen liegen kann.


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