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19.07.2017 11:56 Alter: 121 days

Gut informiert

Zwei Drittel der 112 befragten Chemie-Unternehmen praktiziert eine verbindliche und verständliche Kommunikation. Der Zeitpunkt der Kommunikation könnte allerdings früher erfolgen: Ein Viertel der Befragten fühlt sich grundsätzlich eher zu spät informiert.



Dimensionen der Sozialpartnerschaft: Partizipative Kommunikation

 

Zwei Drittel der 112 befragten Chemie-Unternehmen praktiziert eine verbindliche und verständliche Kommunikation. Der Zeitpunkt der Kommunikation könnte allerdings früher erfolgen: Ein Viertel der Befragten fühlt sich grundsätzlich eher zu spät informiert. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe im Auftrag der CSSA erstellt hat.

Kommunikation ist auch bei der Omniplast GmbH ein Thema: Die knapp 110 Beschäftigten des Kunststoffherstellers aus Ehringshausen bei Wetzlar fühlten sich zu wenig informiert über Unternehmensprojekte und Neuerungen und wünschten sich mehr Transparenz. Die Idee: eine Unternehmenszeitung. Gemeinsam getragen von Betriebsrat und Geschäftsführung. Im Rahmen des CSSA-Projekts InnovA gründeten Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, ein Abteilungsleiter und der Betriebsrat ein Redaktionsteam. Einmal im Monat treffen sie sich. Die Zeitung namens „Impulse“ erscheint nach Bedarf. Ein Erfolgskriterium: sich nicht auf einen festen Erscheinungsturnus festzulegen, sondern der Zeitung Zeit zu geben, damit sie sich entwickeln kann.

Beschäftigte geben die Themen vor

Ein weiteres: Die Beiträge für die Zeitung kommen von den Beschäftigten selbst. Das heißt, sie sind die Themengeber, sie entscheiden, was sie betrifft und interessiert. Neue Mitarbeiter und Auszubildende stellen sich vor, es wird über neue Produkte informiert, über Audits, Projekte oder die erste Sitzung des Sicherheitsausschusses. Die Beschäftigten sorgen auch für eine klare Sprache. Matthias Beyer, Leiter Service Team und Mitglied im Redaktionsteam: „Speziell die Aushänge des Betriebsrats und der Geschäftsleitung sind oft schwer verständlich, da diese gesetzlich vorgeschriebene Formulierungen enthalten müssen, die wirklich nicht so einfach zu verstehen sind.“

Im Sinne einer offenen und transparenten Kommunikation werden auch Probleme angesprochen. Etwa, wenn ein Projekt auf Eis liegt. Die Beschäftigten haben Überstunden geleistet und dann nichts weiter gehört. Die Zeitung informiert über die Hintergründe, warum ein Projekt nicht mehr weiter geht. Es gehört eine Portion Mut dazu, so ehrlich darüber zu berichten, was nicht gut läuft. „Man macht sich dadurch angreifbar“, sagt Klaus Gerlach, Betriebsratsvorsitzender, Personalentwickler und Mitglied im Redaktionsteam.

Vierte Ausgabe erschienen

Auch war die Belegschaft zunächst irritiert und kritisch, was Aufwand und Kosten betrifft: Muss eine Zeitung wirklich sein? Ist das nicht zu teuer? Gerlach: „Inzwischen ist die Akzeptanz intern deutlich gestiegen. Immer mehr Mitarbeiter sprechen mich an: Wäre das nicht ein Bericht für die ‚Impulse‘?“ Mittlerweile wird die Zeitung gut angenommen und genutzt: Nachdem „Impulse“ Mitte 2016 ins Leben gerufen wurde, erschien kürzlich – ein Jahr später – die vierte Ausgabe.

In ihrer Studie untersuchten die ISI-Forscher die Wirkung sozialpartnerschaftlichen Verhaltens auf den Erfolg von Veränderungsprozessen. Neben Partizipation und Kommunikation ging es auch um Betriebsklima, Identifikation und Konfliktbewältigung. Dabei sind die Dimensionen ganzheitlich zu sehen: Eine gute Sozialpartnerschaft zeigt sich, indem sie verschiedene Aspekte wechselseitig zusammenbringt.


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