< Vorheriger Artikel
18.01.2018 14:58 Alter: 127 days

Kollegen helfen Kollegen

Es herrscht ein gutes Betriebsklima in den Unternehmen der chemischen Industrie. In neun von zehn Betrieben ist der Umgang unter den Beschäftigten durch gegenseitigen Respekt geprägt.



Dimensionen der Sozialpartnerschaft: Betriebsklima

Es herrscht ein gutes Betriebsklima in den Unternehmen der chemischen Industrie. In neun von zehn Betrieben ist der Umgang unter den Beschäftigten durch gegenseitigen Respekt geprägt. Besondere Leistungen finden in 72 Prozent der Betriebe die gebührende Anerkennung.

Das fand das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in einer Befragung der chemischen Industrie heraus. Welchen positiven Einfluss die Sozialpartnerschaft auf das Betriebsklima haben kann, zeigte sich bei einem Hersteller von Spezialchemikalien. Ein Projekt im Unternehmen half, die beiden Welten der Tag- und Wechselschicht einander näherzubringen.
Die positiven Effekte sind heute stark zu spüren, wie der Betriebsleiter sagt: „Wenn die Tagschicht wegen der Beladung eines späten Tankwagens länger bleiben muss, legen die Mitarbeiter von der Wechselschicht mit Hand an.“ Früher sei das undenkbar gewesen. Da arbeitete ein Teil der rund 200 Beschäftigten am Produktionsstandort ausschließlich in Tagschichten, der andere in Wechselschichten. Zwischen beiden Mitarbeitergruppen gab es feine Unterschiede im Zugehörigkeitsgefühl. Und beide Arbeitszeitmodelle haben ihre Vor- und Nachteile: Wer immer tagsüber im Unternehmen ist, lebt ein anderes, vor allem ein regelmäßiges Leben – mit den Kollegen, der Familie, im Verein. Dafür ist die Arbeit tagsüber nicht selten hektischer als die Arbeit in der Nacht. Die Nachtschicht hingegen wird gut vergütet.

Mehr Verständnis

Der Betriebsleiter hatte gleich mehrere Veränderungsprozesse im Unternehmen zu managen: Die Produkte sind gefragt, die Wünsche der Kunden werden vielfältiger, Aufträge treffen kurzfristiger ein. Das heißt für die Beschäftigten: sich umstellen, auch improvisieren, mal einspringen, wenn Kollegen krank sind. Aber auch die Arbeitsbelastungen durch Schichtarbeit sollten abgebaut werden. Gemeinsam stellten Betriebsrat und  Betriebsleiter daraufhin alle Tätigkeiten der Wechselschicht auf den Prüfstand: Was davon ließ sich auch tagsüber erledigen? Wie kann man Belastungen abbauen, die Kommunikation verbessern? In anschließenden Workshops mit Schichtführern und Mitarbeitern wurden neue gemeinsame Anknüpfungspunkte in der Arbeit von Tag- und Wechselschicht geschaffen. Sie bringen die Schichtbeschäftigten öfter zusammen – und damit besser ins Gespräch. Der Betriebsrat spricht gern von „Schnittstellen“. Die Tagschicht übernimmt zweimal im Monat eine Wechselschicht. Um in Übung zu bleiben und auch mal spontan einspringen zu können. Und: Künftig ist die Tagschicht für die Verladung der Produkte verantwortlich. Weitere Vorteile zeigen sich in der engeren Zusammenarbeit von Tag- und Wechselschichtbeschäftigten. Seitdem beide Seiten mehr voneinander wissen, begegnen sie sich mit mehr Verständnis. Und es ist eine neue Bereitschaft entstanden, den Kollegen auszuhelfen, wenn Not am Mann ist.

 

Die Ergebnisse der ISI-Studie:

In einer Online-Befragung wurde unter 112 Vertretern aus Betrieben der chemischen Industrie die Wirkung sozialpartnerschaftlichen Verhaltens auf den Erfolg von Veränderungsprozessen untersucht. Wir berichten seit einem Jahr über die Ergebnisse dieser Studie und erläutern sie mit Beispielen von guter Praxis. Die Befragten schätzen das Betriebsklima in ihren Betrieben überwiegend als sehr gut ein. Am zufriedenstellendsten sind für sie die Vermeidung von Arbeitsplatzabbau bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten (90 Prozent) und der durch gegenseitigen Respekt geprägte Umgang unter den Beschäftigten (89 Prozent). Eine tendenziell stärkere Unzufriedenheit zeigt sich bei einer angemessenen Anerkennung besonderer Leistungen und Erfolge.


preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader