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24.04.2018 12:50 Alter: 30 days

Sehr gute Basis

Bei den Beschäftigten in der chemischen Industrie besteht insgesamt eine hohe Identifikation mit den Werten und Produkten des Arbeitgebers. Auch die Bereitschaft der Beschäftigten ist mit 63 Prozent hoch, in wirtschaftlich schwierigen Situationen Zugeständnisse zu machen.


Farbstoffproduktion bei Lanxess (Foto: Lanxess).


Dimensionen der Sozialpartnerschaft: Identifikation

Bei den Beschäftigten in der chemischen Industrie besteht insgesamt eine hohe Identifikation mit den Werten und Produkten des Arbeitgebers. Auch die Bereitschaft der Beschäftigten ist mit 63 Prozent hoch, in wirtschaftlich schwierigen Situationen Zugeständnisse zu machen.

Der Kölner Spezialchemie-Konzern Lanxess hat ein Rekordjahr hinter sich. Für 2018 ist weiteres Wachstum zu erwarten. Die Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2008 hat Lanxess weit hinter sich gelassen. Werner Czaplik und Dieter-Helmut Seufert erinnern sich, wie sie gestärkt aus der Krise hervorgegangen sind. „Es hat einen Ruck gegeben“, erinnert sich Werner Czaplik. Er hat vor knapp 40 Jahren bei Bayer angefangen, ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Vorsitzender des Europaforums. Die Haltung war, so Czaplik: „Wir zeigen es Bayer.“ Dieses „sehr ausgeprägte Gefühl“ habe die Belegschaft zusammengeschweißt. Das war auch nötig. Nur vier Jahre, nachdem der Bayer-Konzern seine komplette Chemie als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Lanxess ausgegliedert hatte, „traf uns die Finanz- und Wirtschaftskrise wie aus heiterem Himmel“, sagt Dieter-Helmut Seufert, Leiter Konzernmitbestimmung und Sozialpolitik. Seufert begann wie Czaplik vor 40 Jahren bei Bayer und arbeitet nun bei Lanxess. Die Zukunft der rund 20.000 Beschäftigten sah düster aus. Die Prognose: Lanxess werde als eines der ersten Chemieunternehmen aufgeben müssen. Die Produktionsausfälle waren beträchtlich. „Kunden stornierten und verschoben Aufträge oder waren zahlungsunfähig“, sagt Czaplik.

Alle Mitarbeiter müssen Beitrag leisten

Die Lage war sehr ernst. „Betriebsbedingte Kündigungen konnte niemand zu diesem Zeitpunkt ausschließen“, sagt Seufert. Andererseits gab es ein „sehr belastbares Verhältnis zwischen der Gewerkschaft IG BCE und dem Chemie-Arbeitgeberverband. Ebenso zwischen den Betriebsräten und der Unternehmensleitung. Das zahlte sich nun aus: Im Herbst 2008 wurde der gemeinsame Koordinierungskreis (Ko-Kreis) gegründet. Er sollte alle Möglichkeiten ausloten und nutzen, um die Beschäftigung zu sichern. Schnell war klar: Auch die Mitarbeiter müssen einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten – und zwar alle: Vorstand, leitende Angestellte, außertarifliche Angestellte und Tarifmitarbeiterinnen und -mitarbeiter weltweit. Czaplik: „Das war einfach ein Gebot der Fairness.“ Dass Lanxess die Reihen seiner Beschäftigten weitgehend geschlossen hielt, erwies sich als weitsichtig. Das Chemieunternehmen ging aus „der Krise stabiler raus, als wir reingegangen sind“, sagt Czaplik. Das gemeinsame Fazit von Seufert und Czaplik: Die Sozialpartnerschaft hat sich als gute Basis der Krisenbewältigung erwiesen. Aber, mahnt Seufert: „Die Verantwortlichen auf beiden Seiten müssen sie ständig praktizieren und stärken."

Mehr darüber lesen Sie in der CSSA-Broschüre „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/2009".

 

Abschluss der Serie:

Mit diesem Praxisbeispiel schließt sich der Kreis der fünf Dimensionen der Sozialpartnerschaft. Anhand der Facetten Partizipation, Kommunikation, Konfliktbewältigung, Betriebsklima und Identifikation untersuchte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) die Wirkung sozialpartnerschaftlichen Verhaltens auf den Erfolg von Veränderungsprozessen. An der Online-Befragung beteiligten sich 112 Vertreter aus Betrieben der chemischen Industrie. Die Beispiele aus der Praxis haben deutlich gemacht, dass die fünf Dimensionen nicht isoliert voneinander funktionieren: Keine Konfliktbewältigung ohne Kommunikation, kein kollegiales Betriebsklima ohne Partizipation und umgekehrt. Erst indem verschiedene Aspekte zusammengebracht werden, zeigt sich eine gute Sozialpartnerschaft.

Die CSSA wird dazu im Sommer 2018 eine neue Broschüre herausbringen, die Theorie und Praxis verständlich zusammenführt.


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