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17.11.2016 14:43 Alter: 307 days

Studienabbrecher: Wichtiges Potenzial

Sie haben Abitur oder Fachabitur, etliche Semester an der Universität studiert, doch am Ende stehen sie mit leeren Händen da: Studienabbrecher. Angesichts des Fachkräftemangels wollen mehr Unternehmen junge Erwachsene ohne Studienabschluss für eine Ausbildung im Betrieb anwerben.


Das BiBB in Bonn


Sie haben Abitur oder Fachabitur, etliche Semester an der Universität studiert, doch am Ende stehen sie mit leeren Händen da: Studienabbrecher. Angesichts des Fachkräftemangels wollen mehr Unternehmen junge Erwachsene ohne Studienabschluss für eine Ausbildung im Betrieb anwerben.


Es sind nicht gerade wenig Studenten, die ihr Studium vorzeitig beenden. 28 Prozent aller Immatrikulierten eines Bachelorstudiengangs gibt vor dem Examen auf. Warum viele abbrechen, erklärt womöglich die jüngste Online-Befragung der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) unter 18.000 Hochschülerinnen und -schülern: Zeit- und Leistungsdruck und die Angst vor Überforderung haben zugenommen. Knapp 80 Prozent der Abbrecher hatte im Jahr 2012 keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Interessante Zielgruppe

Für ausbildende Unternehmen sind die Studienabbrecher und -abbrecherinnen eine interessante Zielgruppe, vor allem vor dem Hintergrund des absehbaren Fachkräftemangels. Verständlich daher, dass diese Unternehmen verstärkt Studienabbrecher umwerben und für eine betriebliche Ausbildung gewinnen wollen. Gut ein Viertel der 570 Ausbildungsbetriebe, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in Bonn befragte, will das tun. Motto: „Wir können es uns nicht leisten, auf das Potenzial der Studienabbrecher zu verzichten", zitiert das Bonner Institut ein Unternehmen. Auch Betriebe, die weniger Bewerber als in früheren Jahren zählen, wollen sich neue Zielgruppen für eine Ausbildung im Betrieb erschließen. Einfach wird das nicht. Grund: Die „Akquise der Zielgruppe" stößt offenbar auf einige Schwierigkeiten, wie eine Meinungsumfrage des BiBB unter gut 300 Berufsbildungsexperten sowie -expertinnen und Fachleuten aus Betrieben zeigte.

Studienabbrecher sind willkommen

Bei der Bayer AG sind Studienabbrecher und -abrecherinnen jedenfalls „genauso willkommen wie jeder andere Bewerber", teilte der Chemiekonzern auf Anfrage mit. Ebenso bei der BASF, wo „in den vergangenen Jahren die Anzahl der Bewerber mit Studienerfahrung auf einen Ausbildungsplatz zugenommen hat", sagt Beate Petry, Leiterin der Rekrutierung von Auszubildenden bei der BASF. Die Erfahrungen mit den jungen Erwachsenen sind gut: „Generell haben wir in der Vergangenheit mit der Ausbildung von Studienabbrechern ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Die Motivation der Studienabbrecher ist sehr ausgeprägt", heißt es in der BiBB-Befragung. Das gilt auch für die BASF. Beate Petry: „Wir haben ingesamt gute Erfahrungen mit den Auszubildenden gemacht, und das unabhängig von vorherigen Studienerfahrungen."

Keine verkürzte Ausbildungszeit

Gleichwohl können Studienabbrecher, die sich für eine betriebliche Ausbildung entscheiden, nicht darauf hoffen, dass ihre Ausbildung um mehr als ein Jahr verkürzt wird. Das erlaubt das Berufsbildungsgesetz für Jugendliche mit Fachhochschulreife oder Abitur. Außerdem lehnen es mehr als 80 der befragten Betriebe ab, Studienabbrecher generell vom Berufsschulunterricht freizustellen. Und schließlich findet die Idee wenig Anklang, separate Berufsschulklassen für Studienabbrecher einzurichten. Immerhin bewerten rund 30 Prozent diesen Ansatz als „gut" oder „sehr gut".

Den Report: „Studienabbrecher/-innen: Als Auszubildende in Betrieben willkommen - aber möglichst ohne Extrabehandlung" gibt es hier: download


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