Gesunde Verhältnisse

Standort Düsseldorf
Blick in die Produktion

Kleine Schritte können viel bewegen. Eine Runde um den Werksblock, nur fünf Minuten lang und das wenigstens zweimal die Woche. So will Henkel Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter buchstäblich in Gang bringen, die sich sonst wenig bewegen. Ein Schrittzähler läuft mit, auch als kleiner Motivationsfaktor.

Die regelmäßige Runde bei dem Düsseldorfer Konsumgüterhersteller ist Teil eines umfassenden Fitnessprogramms für die 5.400 Beschäftigten am Hauptsitz in Düsseldorf und zugleich größtem Produktionsbetrieb der Henkel-Gruppe. „Mit dem ABI leistet Henkel einen Beitrag zur Umsetzung des Demografie-Tarifvertrages. ABI steht für Arbeitsbewältigungsindex (ABI). Das Projekt ist Teil unserer innovativen und zeitgemäßen Angebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum aktiven Gesundheitsmanagement“, sagt Dietmar Schmidhuber, Director Human Resources. Der ABI ist besonders wichtig in den Energiebetrieben, die Dampf für die Produktion vielfältiger Produkte, von Spezialklebstoffen bis hin zu den bekannten Markenprodukten, wie Persil oder Spee erzeugen.

Hohe Durchschnittsalter - deshalb heißt es: Hauptsache Gesundheit

Das Durchschnittsalter der 200 dort Beschäftigten ist hoch. Es liegt bei 47 Jahren, drei Jahre höher als im Mittel anderer Bereiche von Henkel. Viele Mitarbeiter sind Mitte oder Ende 50 oder haben bereits das 60. Lebensjahr überschritten. Und sie unterliegen höheren Belastungen: Weil die Dampfproduktion nicht unterbrochen werden darf, arbeiten die hier Beschäftigten in Vollkonti-Wechselschichten an 365 Tagen im Jahr. Außerdem sind diese Mitarbeiter nicht einfach durch Jüngere ersetzbar, selbst wenn es der Markt leicht hergäbe. Deshalb will Henkel auch altersgemischte Teams für den Wissenstransfer fördern. 

Das Thema Gesundheit ist für Energiebeschäftigten nicht nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters wichtiger denn je. Sie müssen länger arbeiten als frühere Generationen von „Henkelanern“. „In den vergangenen 15 Jahren gingen viele Mitarbeiter in den vorzeitigen Ruhestand“, sagt Dr. med. Toni Reifferscheid, Arbeitsmediziner und Leiter der Arbeitsmedizin bei Henkel. Reifferscheid ist, wie viele seiner „Patienten“, selbst seit vielen Jahren bei Henkel. Er erinnert sich noch gut, als er als junger Arzt 1984 bei dem Konsumgüterhersteller anfing. „Damals waren hier insgesamt 13.000 bis 14.000 Menschen beschäftigt, heute sind es noch 5.400 direkt bei Henkel und rund 10.000 im Industriepark.“ Auf dem Gelände in der Henkelstraße sind weitere Unternehmen tätig, etwa BASF, das die frühere Chemiesparte von Henkel übernommen hat, und Emery Oleochemicals.

Ein Mitarbeiter wacht über die Flüssigwaschmittel-Produktion

Die Zukunft ist die Rente mit 67

„Die Pläne für Altersteilzeit und vorzeitige Pensionierung müssen nun überarbeitet werden“, sagt Schmidhuber. Für viele Mitarbeiter heißt die Zukunft: Rente mit 67 Jahren. Doch nicht alle können sich vorstellen, solange das Werkstor zu passieren. Eine Umfrage unter 2000 Henkel-Beschäftigten ergab: 13 Prozent sind sich sicher, dass sie bis 67 Jahren arbeiten, 40 Prozent wissen es nicht, 17 Prozent wollen es nicht und 34 Prozent verneinen es. Umso wichtiger sind gesunde Mitarbeiter.

Henkel hat daher das Projekt Arbeitsbewältigungsindex (ABI) geschaffen. „Der ABI ist aus dem Erfahrungsaustausch zum demografischen Wandel, Fragen der Gesundheit und dem 2007 eingeführten betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) entstanden“, sagt Toni Reifferscheid. Er ist, ergänzt Dietmar Schmidhuber, „eine Weiterentwicklung dieser Schritte.“ ABI-Pilotprojekte startete Henkel im Jahr 2010 mit insgesamt 500 Mitarbeitern der Energiebetriebe, der Werkstätten und des Bereichs „General Services“.

Ganzheitlicher Ansatz

Der ABI baut auf einen ganzheitlichen Ansatz. Er fragt nicht nur nach dem Gesundheitszustand der Mitarbeiter, sondern auch nach Faktoren wie Kompetenzen, der Arbeitsplatzgestaltung, nach Arbeitszeitsystemen und dem Betriebsklima. Er will also die Mitarbeiter und die Arbeitsbedingungen gesünder machen. Dafür bedarf es tatsächlich einer „ganzheitlichen Perspektive“. Denn zum einen müssen die Führungskräfte auf allen Ebenen mitziehen, egal, ob Schichtleiter, Betriebsmeister oder Betriebsleiter. Und es Bedarf einer gewissen Offenheit bei den Mitarbeitern. „Sie müssen erfahren, dass sie ihre Vorstellungen einbringen können und dass es wirklich etwas bringt“, sagt Dietmar Schmidhuber.

Auch die Arbeitsbedingungen wurden sichtbar verbessert

Tatsächlich ist der Effekt des ABI-Pilotprojekts unübersehbar: So wurden die Schichtsysteme auf Wunsch der Beschäftigten überprüft, mit dem Ergebnis: Es bleibt bei herkömmlichen System, aber die Vario- und Urlaubstage werden anders verteilt. Ferner wurde die mechanische Werkstatt umgebaut, neue Belüftung und Absaugung installiert, ein Lärm- und Sozialraum eingerichtet, neue LED Lampen eingesetzt. Auch der Leitstand wurde aufgemöbelt, alte Bürostühle und Monitore gegen neue, ergonomischere ausgetauscht. Und fürs Entsorgungszentrum gab es zwei Gabelstapler mit neuester Technik (Schwingsitze, Klimaanlage, Lärmschutzkabine). Was die Fitness der Energiebeschäftigten angeht, wurden Schritte für mehr Wertschätzung und Anerkennung entwickelt, wie sich die körperliche Aktivität und die Ernährung verbessern und die Motivation erhöhen lässt. Ein weiteres wichtiges Thema: Nikotinabstinenz. Rauchen schadet der Gesundheit und womöglich der Rente.

Somat-Produktion in Düsseldorf

Ohne vertrauensvolle Zusammenarbeit geht es nicht

Das ABI-Pilotprojekt zeigt aber auch: Ohne die vertrauensvolle, sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat funktionieren Gesundheitsprogramme nicht. Denn Projekte wie der ABI bei Henkel ermitteln zum Teil „sensible Daten sowie persönliche Gesundheitsdaten und Zukunftserwartungen“. Und da läuten bei den Arbeitnehmervertreter naturgemäß die Alarmglocken. Konkret wird danach gefragt: Wie schätzen die Mitarbeiter aktuell ihre Arbeitsfähigkeit ein und wie für die kommenden drei Jahre? Glauben sie, dass den körperlichen und psychischen Anforderungen gewachsen sind? Welche aktuellen, vom Arzt diagnostizierten Krankheiten (Herz-Kreislauf, Hautkrankheiten, Tumore, Blutkrankheiten, Diabetes usw.) haben sie? Und wie beeinträchtigen diese Krankheiten ihrer Meinung nach ihre Arbeitsleistung?

Arztgespräch ohne Wartezeit und Krankenschein

Außerdem erhalten alle Teilnehmer die Möglichkeit einer intensiven ärztlichen Untersuchung und zu einem Arztgespräch „ohne Wartezeit und Krankenschein“, betont Reifferscheid. Das mündet in einer persönlichen Standortbestimmung und Empfehlungen, was der Mitarbeiter tun kann, um seine Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Außerdem gibt es schriftliche Informationen (Laborwerte, ABI-Ergebnis, Empfehlungen). Natürlich unterliegen alle diese Angaben der ärztlichen Schweigepflicht. Die Betriebsvereinbarung „Ausgestaltung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements“ aus dem Jahr 2013 stellt absolut sicher, dass den Mitarbeitern keinerlei Nachteile erwachsen. Mögliche anfängliche Bedenken des Betriebsrats, was die Vertraulichkeit der Daten und Erkenntnisse betrifft, haben sich nicht bestätigt. Die Resonanz sei äußerst positiv, auch weil der Betriebsrat in jeder Projektphase mit eingebunden ist.

Überprüfung - was hat sich geändert?

In diesem Jahr wird die erste Wiederholungsrunde des ABI bei den Energiebetrieben eingeläutet. Jetzt geht es um die Frage: Was hat sich verändert? Was ist besser geworden? „Der Index ermöglicht Entwicklungsbetrachtungen und schafft Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Bereichen wie den Energiebetrieben oder der Waschmittelproduktion“, sagt Reifferscheid. Der ABI wurde bislang primär in der Produktion eingesetzt, die Verwaltung steht noch an.

Wertschätzung und Gesundheitsschutz stehen an oberster Stelle

Der Aufwand hoch ist hoch. Doch, sagt Schmidhuber: „Die Dividende des ABI ist wertvoll, sie zeigt sich u.a. in einer Stärkung unserer Arbeitgebermarke, besserer Zukunftsfähigkeit und natürlich auch in mehr Bewusstsein für die Themen Gesundheit und Arbeitsfähigkeit.“ Das spiegelt sich letztlich auch in niedrigeren Ausfallzeiten der Mitarbeiter wider. Für Schmidhuber geht es aber nicht nur um Arbeitsfähigkeit. „Der ABI“, sagt der für das Personalmanagement der Infrastrukturservices bei Henkel verantwortliche Personalleiter, „ist Teil der praktischen Umsetzung unserer Leitlinien.“ Und dort stehen der Gesundheitsschutz und die Wertschätzung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an erster Stelle.

Über Henkel:

Henkel ist weltweit mit führenden Marken und Technologien in den drei Geschäftsfeldern Laundry & Home Care (Wasch-/Reinigungsmittel), Beauty Care (Schönheitspflege) und Adhesive Technologies (Klebstoff-Technologien) tätig. Das 1876 gegründete Unternehmen hält mit bekannten Marken wie Persil, Schwarzkopf oder Loctite global führende Marktpositionen im Konsumenten- und im Industriegeschäft. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Düsseldorf. Von rund 47.000 Mitarbeitern sind mehr als 80 Prozent außerhalb Deutschlands tätig. Damit ist Henkel eines der am stärksten international ausgerichteten Unternehmen in Deutschland.

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