Es ist viel vom Verschwinden der Industrie die Rede, von der Dienstleistungsgesellschaft, die die alte Industriegesellschaft ablöst. Auch die Wissensgesellschaft ist gegenwärtig sehr in Mode, also eine Welt, wo die Wissensarbeit angeblich die treibende Kraft und Quelle allen Wohlstands ist. Dagegen vertreten Birger P. Priddat und Klaus-W. West den Standpunkt: Die Industrie hat ihre Zukunft noch vor sich.

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Montag, 15. Juli 2013) betonen sie: Statt über das Verschwinden der Industrie, wäre ein Diskurs über die „Modernität der Industrie“ angebracht. Dafür sprechen aus ihrer Sicht zu einem die hohe Relevanz der Industrie für die Wertschöpfung (auch als Takt- und Auftraggeber für die Dienstleistungsindustrie), ferner ihre Anwesenheit im Alltag und ihre Funktion als Problemlöserin. Um ihre Bedeutung zu unterstreichen, genügt eigentlich ein Hinweis: Der Produktionswert der exportorientierten Industrie Deutschlands ist von 1995 bis 2007 um 85,4 Prozent gestiegen. „Kein anderer Sektor konnte in dieser Periode ein höheres Wachstum des Produktionswerts realisieren.“ An zweiter Stelle kommen mit 70,5 Prozent die direkten unternehmensbezogenen Dienstleistungen, also solche, die maßgeblich von der Industrie als Auftraggeber abhängen. an dritter Stelle mit einem Wachstum von 65,2 Prozent folgen die indirekten unternehmensbezogenen Dienstleistungen und schließlich, mit weitem Abstand, klassische konsumbezogene Dienstleistungen (knapp 58 Prozent Wachstum).

Die Industrie und ihre Produkte prägen den Alltag vieler Menschen

Natürlich ist den Autoren bewusst, dass das alte Bild „rußender, die Natur zerstörende Fabriken – zumindest in Deutschland – verschwunden ist.“ Die großen Industriekomplexe, die einst die Städte etwa im Ruhrgebiet dominierten, existieren nicht mehr. An ihre Stelle ist eine neue Industrie getreten: Sie ist kleiner und smarter, sie hat ihre Produktion an den Rand der Städte, zum Teil auch in andere Lander ausgelagert. Außerdem prägen die industrielle Produktion und ihre Produkte zunehmend den Alltag der Menschen: Augenfällig wird das an den elektronischen Medien und Maschinen, ohne die der Alltag moderner Menschen kaum mehr denkbar erscheint: Haushalts- und Lichtelektronik, Heizungs- und Wärmedämmungselektronik, Automobilelektronik, der Wandel des gedruckten Buchs zum E-Book und die dafür erforderlichen Lesegeräte, mp3/4-Player für Musik, Mobiltelefone, die gleichsam zu Abspielstationen für Filme, Videos oder elektronische Spiele werden. Kurzum: Die Industrie ist auf dem besten Weg zur Industrie 4.0 zu werden. Der ganze Artikel:

Die Modernität der Industrie

Die CSSA hat ein in einer Reihe von Publikationen, die Bedeutung der Industrie für unsere Moderne Volkswirtschaft unterstrichen. Zu diesen Veröffentlichungen gehört unter anderem die Broschüre: „Die Industrie – Motor unserer Volkswirtschaft. Die Bedeutung der Industrie und die Rolle der Dienstleistungen“.

Die Broschüre erschien im September 2012. Siehe hierzu auch die Meldung: Glücksfall - starke industrielle Basis.

Außerdem die Studie von Professor André Schmidt, Professor für Makroökonomik und internat. Beziehungen an der Universität Witten Herdecke: „Industrie und Dienstleistungen heute: Eine Strukturanalyse der Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland“.

Die Studie erschien Anfang 2012. Siehe dazu die aktuelle Meldung: Motor der Dienstleistungsbranche.

Die vierte Industrie - oder warum die Industrie modern bleibt

Und schließlich erschien zur Buchmesse im Oktober 2012 der Aufsatzband: „Die Modernität der Industrie“, Hg. von Birger P. Priddat und Klaus-W. West. Das Buch ist das Ergebnis eines zweijährigen Diskussions- und Arbeitsprozesse der Konzeptgruppe Modernität der Industrie, zu der die CSSA im Jahr 2010 Wissenschaftler unterschiedlicher Diziplinen eingeladen hatte. Ausgehend von dem Begriff des amerikanischen Soziologen „die nachindustrielle Gesellschaft“ gehen die Autoren der Frage nach: Wie industriell oder postindustriell ist die gegenwärtige Gesellschaft tatsächlich? Was hat es mit der Dienstleistungsgesellschaft auf sich udn wa speist sie? Welche Mythen der Modernisierung bestehen im alltäglichen Sprachgebrauch, etwa der Mythos von der Wisssensgesellschaft. Und was bedeutet Nachhaltigkeit wirklich, beispielsweise für Industrieunternehmen, und zu welchen Wertekonflikten kann sie führen? Das Buch erschien im Marburger Verlag metropolis.

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