Neues Leitbild für altersgemäßes Arbeiten

Der demografische Wandel ist ohne ein neues Bild vom Alter nicht zu bewältigen, das ist die Kernthese der jüngsten Publikation der CSSA „Ein Leitbild für altersgemäßes Arbeiten“. Dass wir älter werden und länger leben, ist nicht das Problem. Vielmehr stimmen die Bilder über die Jungen und Älteren nicht mehr mit der Wirklichkeit überein. Alter und das Bild vom Alter müssen daher neu gedacht werden.

Rund um den demografischen Wandel ranken sich viele Stichworte: Jugendwahn, greise Belegschaften, Schrumpfvergreisung der Deutschen, Schwächung der Innovationsfähigkeit, Rente mit 67, sinkende Produktivität, Altenrepublik Deutschland, motivationslose ältere Arbeitnehmer, das höhere Durchschnittsalterals Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Volkswirtschaft oder des Rentensystems. Kurz: Alter erscheint als etwas Defizitäres.

Über das Alter muss neu nachgedacht werden, differenzierter, und mit Blick auf alle Bereiche der Gesellschaft. In den Unternehmen geht es um vielfältige Anforderungen: ein altersgerechtes Management, ein besseres Lernklima, um die gesunde Gestaltung der Arbeitsplätze, um den Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Es geht um Vielfalt von jungen, älteren, Frauen und Männer unterschiedlicher Kulturen in den Unternehmen (Diversity). Und natürlich um mehr Aus- und Weiterbildung –für alle.

Warum wir ein neues Bild vom Alter brauchen

 

„Wir denken oft noch in überholten Bildern von den Jungen und den Älteren. Nur mit neuen Leitbildern, die das aktuelle Wissen über Alter und Altern berücksichtigen, treffen wir richtige Entscheidungen.“

Die jüngste CSSA-Broschüre gibt es hier

Es gibt nur gutes und weniger gutes Lernen

Alter und Lernen? Hier gibt vor allem eins: feststehende Meinungen. Aber: „Es gibt kein Lernen für Ältere und keins für Jüngere. Es gibt nur gutes Lernen und weniger gutes Lernen“, sagt der Lernexperte Christian Stamov-Rossnagel .Seine Erfahrung lautet: „Lernen, das bei Älteren funktioniert, funktioniert bei Jüngeren allemal.“

Lässt die Produktivität Älterer generell nach? Nein, sondern nur die individuelle körperliche Leistungsfähigkeit. Dennoch müssen ältere Belegschaften nicht weniger produktiv sein. Beim Chemie-Konzern BASF macht die Altersgruppe der 35-49jährigen unter den 30.000 Beschäftigten am Firmensitz in Ludwigshafen 47 Prozent aus, der Anteil der über 50jährigen beträgt aktuell 34 Prozent. Er wird aber bis zum Jahr 2020 auf 57 Prozent steigen. Dennoch ist die „BASF das führende Chemieunternehmen der Welt“, wie die Ludwighafener sich selbstbewusst sehen.

Ältere Belegschaften können sehr produktiv sein

Und beim Automobilhersteller BWM wird im Jahr 2017 „fast die Hälfte unserer Mitarbeiter älter als 50 Jahre alt sein“, sagte der damalige Personalvorstand und heutige Technologievorstand bei BMW, Harald Krüger, in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dennoch gilt der bayerische Autobauer als einer der rentabelsten Automobil-Hersteller. Damit das so bleibt, müssen die Unternehmen die „Arbeitszeit stärker in Richtung Lebensphasen weiterentwickeln, die Arbeit nehmer fördern und qualifizieren“, sagt Peter Hausmann, Mitglied im geschäftsfüh­renden Vorstand der IG BCE. Und Dr. Klaus Stiller, Geschäftsführer Tarifpolitik und Arbeitsrecht des BAVC, sagt: „Weiterbildungen auch mit 50 oder 55 Jahren müssen alltäglich werden – denn ,rentennah‘ sind Mitarbeiter in diesem Alter in Zukunft nicht mehr.“

Das „Leitbild für altersgemäßes Arbeiten“ will dazu beitragen, dass die Älteren nicht abgeschrieben, sondern als das wahrgenommen werden, was sie sind: Lebendige, produktive und kreative Menschen. Ihre in vielen Lebens- und Berufsjahren angesammelte Erfahrung kann eine produktive Quelle sein – wenn es die Unternehmen verstehen, sie zu nutzen.

Demografie-Tarifvertrag + Leitbild für altersgemäßes Arbeiten

Der demografische Wandel ist eines von drei Handlungsfeldern der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie (CSSA). Siehe hierzu: Demografischer Wandel.

Im August 2010 beauftragten der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) die CSSA mit der Entwicklung eines Leitbilds für altersgemäßes Arbeiten. Es sollte Hinweise auf Handlungsmöglichkeiten für die betrieblichen Sozialpartner aufzeigen. Hintergrund ist, dass die Chemie-Sozialpartner sich früher als andere Branchen dem demografischen Wandel gestellt haben. Im Jahr 2008 schlossen sie den Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“. Dieser Demo-TV, wie er kurz genannt wird, gibt den Praktikerinnen und Praktikern in den Unternehmen eine Reihe von Instrumenten an die Hand, um den demografischen Wandel in den Unternehmen zu bewältigen. Dazu gehören Elemente wie die „Etablierung einer alters- und gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung und Arbeitsorganisation“, Schritte zur „Qualifizierung während des gesamten Arbeitslebens“ sowie „die Sicherung des Erfahrungs- und Wissenstransfers“.

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