Richtungsweisender Generationenvertrag

Der Titel klingt nüchtern. Doch die Chemie-Tarifvertragsparteien haben mit dem „Tarifvertrag lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung“ ein Werkzeug geschaffen, um Arbeitszeiten in verschiedenen
Lebensphasen und damit den demografischen Wandel zu gestalten. 


Der Tarifvertrag könnte Vorbild für andere Branchen werden. Am 2. November 2011 unterzeichneten die Tarifparteien, der Arbeitgeberverband Nordostchemie e. V.  und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie den Tarifvertrag für Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Berlin (Ost). Der Tarifvertrag tritt mit Beginn des Jahres 2013 in Kraft. Sein Kern ist ein flexibles Arbeitszeitmodell: Statt einer generellen Arbeitszeitverkürzung orientiert sich die Arbeitszeitentlastung an den jeweiligen Lebensphasen der Beschäftigten, ob Kindererziehung, Pflege Angehöriger oder zur Entlastung nach Überschreiten des 60. Lebensjahrs.

Betriebliche Fonds

Ein zentrales Element des „Tarifvertrags lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung“ ist ein betrieblicher Fonds. Damit ist kein Geldfonds im eigentlichen Sinne gemeint, der von einem Finanzdienstleister verwaltet wird. Es handelt sich vielmehr um einen betrieblich geschaffenen Topf. In ihm werden die vom Arbeitgeber geleisteten Demografiebeiträge für die Tarifmitarbeiter gesammelt, um die Instrumente für die Gestaltung des demografischen Wandels zu finanzieren.

Die Beiträge zu dem Fonds betragen 2,5 Prozent der Summe der tariflichen Entgelte des Vorjahres. Das Geld kann für die folgenden Zwecke verwendet werden, Näheres sollen freiwillige Betriebsvereinbarungen regeln:

  • Altersgerechtes Arbeiten, etwa für die Finanzierung von Teilzeitarbeit für Arbeitnehmer ab dem vollendeten 60. Lebensjahr
  • Tarifliche Familienzeiten zur Unterstützung der Pflege von Familienangehörigen und von Kindererziehung
  • Entlastungszeiten, etwa Freischichten für besonders belastete Arbeitnehmergruppen
  • Langzeitkonten

Damit setzt die Nordostchemie jene wegweisenden Ideen in die Tat um, auf die sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie im Jahr 2008 geeinigt und tarifpolitisches Neuland betreten hatten. Die Rede ist von dem Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“. Als erste Branche hatten sich die Chemie-Sozialpartner auf einen Tarifvertrag geeinigt, der die Herausforderungen des demografischen Wandels annimmt.

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