Gesundes Vertrauen

Es gibt Vorbeugegespräche und Präventionspläne, umfangreiche Hilfen und viel Unterstützung: Die Chemische Fabrik Budenheim KG hat vor Kurzem ein systematisches Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) installiert. Seine wichtigste Grundlage: Die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Sozialpartner.

Peter Seliger, Betriebsratsvorsitzender, und Günter Gläser, Personalleiter, kennen sich bald 40 Jahre. Das ist die persönliche Seite des Vertrauens. Die andere Seite ist der Wittenberg-Prozess – der von BAVC und IG BCE initiierte Prozess zur Vertiefung der Sozialpartnerschaft. Budenheim bekennt sich zum Wittenberg-Prozess. Doch der Reihe nach. Besonders bei den 340 Schichtarbeitern waren die Krankenstände und Fehlzeiten hoch. Betriebsrat Peter Seliger und Personalleiter Günter Gläser stellten sich gemeinsam die Frage: Wie können wir das verbessern? Und Betroffene wieder in den Arbeitsprozess integrieren? Das Ergebnis war eine Betriebsvereinbarung zum BEM. Das war im weltweiten Krisenjahr 2009.

Betriebsratsvorsitzender Peter Seliger (links) im Gespräch mit Günter Gläser, Personalleiter, und Ulrike Rudolphi von der CSSA. Gläser und Seliger kennen sich seit 40 Jahren. Sie verkörpern auch persönlich die Vertrauenskultur in Budenheim, die unabdingbar für eine funktionierende Sozialpartnerschaft ist.

Hohe Krankenstände

Ihre Umsetzung nahm ein BEM-Team in die Hand. Es trifft sich alle sechs Wochen. Mitglieder sind jeweils ein BEM-Beauftragter der Betriebsrats- und Arbeitgeberseite, Sicherheitsfachkräfte, der Betriebsarzt, Fachärzte, ein lokaler Psychotherapeut, die Betriebskrankenkasse, bei der 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versichert sind, die lokale Suchtberatungsstelle, der Reha-Dienst sowie die Berufsgenossenschaft. Im April 2010 startete das BEM. Seitdem wurden etwa 340 Fälle erfasst und für 140 Mitarbeiter Präventionspläne erstellt.

Schnelle Hilfe

War ein Mitarbeiter innerhalb von zwölf Monaten 21 Tage oder länger krank (laut Gesetz sechs Wochen), lädt die Personalabteilung zu einem vertraulichen Gespräch ein. Der Mitarbeiter kann einwilligen und einen Ansprechpartner seines Vertrauens aus dem BEM-Team nennen. Auch Mitarbeiter, z.B. bei chronischen Rückenschmerzen, können frühzeitig ein BEM anregen, ebenso Führungskräfte, natürlich mit Zustimmung der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters.

Viel Unterstützung

Die meisten BEM-Fälle, ca. 15 Prozent, betreffen psychische Erkrankungen. Hier unterstützt Budenheim seine Mitarbeiter auf vielfältige Weise: Anfängliche Hemmschwellen überwinden, schneller Termine bei Psychotherapeuten bekommen (übliche Wartezeit: 8 Monate und länger) und finanziell: Budenheim trägt zwei Drittel der Kosten. Ein Beispiel: Einem Meister fiel auf, dass die Leistungen einer jungen Auszubildenden plötzlich abfielen. In einem vertraulichen Gespräch wurde deutlich: Ihre private Situation ist schwierig, das beeinträchtigt auch ihre Leistung in der Ausbildung. Budenheim hat schließlich Kontakt zu einem Psychotherapeuten für eine Behandlung hergestellt. Dafür setzte sie längere Zeit die Ausbildung aus. Das war ein harter Schlag für sie. Aber ihre Geduld und die ihres Arbeitsgebers haben sich gelohnt: Die junge Frau konnte anschließend ihre Ausbildung abschließen – mit einem gutem Ergebnis.

Weitere Themen sind Skelett-  sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Auch hier stehen dem BEM-Team Fachärzte zur Seite. Die Maßnahmen beschränken sich nicht nur auf Fragen der Gesundheit: Es werden Ehe- und Schuldnerberatungen vermittelt oder auch die Familienangehörigen hinzugezogen. Doch bei aller Fürsorge des Unternehmens – „die Mitarbeiter müssen ihren Teil zur Genesung beitragen“, betont Betriebsrat Peter Seliger. Tauchen bestimmte Themen und Fälle gehäuft auf, z. B. Rückenbeschwerden, wird ein Gesundheitszirkel gegründet. Er entwickelte beispielsweise ein schlichtes, aber wirkungsvolles Mittel wie sich die Arbeitsplätze „gesünder“ machen lassen: Anti-Ermüdungsmatten in der Produktion. Sie entlasten das Skelett und die Gelenke.

Gewachsene Kultur des Vertrauens

Das BEM ist Teil eines Gesamtkonzepts. Und das kostet schon mal Zeit. Der Betriebsrat stellte allein dafür jemanden ein. Auch der Personalleiter Günter Gläser ist überzeugt: „Die Investition hat sich gelohnt.“ Das BEM bei Budenheim hat geholfen, den Krankenstand nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv und wirkungsvoll etwas dagegen zu unternehmen. Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg: Die Vertrauenskultur. Sie beruht auf einer gewachsenen und funktionierenden Sozialpartnerschaft. Aktuell baut die Chemische Fabrik Budenheim KG ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) auf. Es integriert Fehlzeitenmanagement, Rückkehrgespräche, BEM und Gesundheitszirkel. Schon hat Budenheim Schule bei anderen Oetker-Betrieben gemacht. Sie führten ebenfalls ein BEM ein.

Chemische Fabrik Budenheim KG

Die Chemische Fabrik Budenheim wurde im Jahr 1908 gegründet. Seit 1923 gehört das Unternehmen, als Produzent von Backpulver zur Oetker-Gruppe in Bielefeld. Kerngeschäft des Traditionsunternehmens ist heute die Herstellung von hochreinen Phosphatspezialitäten für den nationalen und internationalen Markt. So werden z.B. Kalziumphosphate hergestellt, die in Zahnpasta oder Arzneimitteln wieder zu finden sind. Budenheim entwickelt und produziert individuelle Lösungen, die flexibel auf den Kunden und das jeweilige Endprodukt zugeschnitten sind. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Budenheim bei Mainz: 680.

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