Projekt DAWINCI

Ziel des Projektes DAWINCI ist es, ein Konzept zur Anschlussfähigkeit beruflicher Kompetenzen und Qualifikationen am spezifischen Beispiel der beruflichen Entwicklung vom Chemikanten und den Laborberufen zum Industriemeister Chemie bzw. Chemietechniker sowie Handlungsempfehlungen zur Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen für die Ausbildung zum ersten akademischen Grad (Bachelor) zu entwickeln, umzusetzen und in der Praxis nachhaltig zu verankern.


Die ausgewählten Berufsbilder sind von zentraler Bedeutung für die Chemie-Branche. Der Chemikant ist der ausbildungsstärkste Beruf innerhalb der Chemie und die wichtigste Produktionskraft der Branche. Annähernd ebenso ausbildungsstark sind die Laborberufe wie Chemie-, Biologie- und Lacklaborant.

 Dem Industriemeister Chemie kommt als Schnittstelle zwischen Produktion und Betriebsleitung eine entscheidende Funktion als betriebliche Führungskraft im Produktionsumfeld zu, wohingegen dem Chemietechniker in den forschungs- und anwendungstechnischen Unternehmensbereichen diese Aufgabe zukommt.

Der Bachelor, beispielsweise im Studiengang Verfahrenstechnik oder Chemie, stellt die logische Fortsetzung der beruflichen Entwicklung der erstgenannten Berufe und beruflichen Fortbildungsschritte in den akademischen Bereich dar.

 

Die Entwicklung des Konzepts zur Anschlussfähigkeit erfolgt über einen dreistufigen Prozess:

1. Identifizierung anschlussrelevanter Lerninhalte

Die Identifizierung anschlussrelevanter Lerninhalte erfolgt zum einen durch Analyse der zugrunde liegenden Curricula der betreffenden Berufe in Hinblick auf Überlappungsbereiche und Doppelaufwendungen im beruflichen Aufstieg. Zum anderen werden typische Entwicklungspfade von Beschäftigten in den genannten Berufen auf die für den Aufstieg wesentlichen Qualifikationen hin analysiert.

2. Erarbeitung entsprechender elektronischer Lernbausteine und Integration in eine Lehr- und Lernumgebung

Auf Basis der Analyseergebnisse werden von den Projektpartnern in deren jeweiligem Kompetenzbereich entsprechende elektronische Lernbausteine erarbeitet. Jeder Baustein ist horizontal über verschiedene Berufsbilder sowie vertikal über verschiedene Berufsabschlüsse und Fortbildungen differenziert, die für verschieden hohe Qualifikationsniveaus stehen. Als Lernumgebung wird eine zu den Bausteinen kompatible, virtuelle Plattform genutzt, auf der Lernende von unterschiedlichen Standorten und mit unterschiedlichen Kompetenzbiografien für jeweils eine Ausbildungseinheit zusammen geführt werden. Um möglichen Problemen des isolierten Lernens entgegenzutreten, wird die Plattform um kooperative Funktionalitäten („Web2.0“-Funktionalitäten sowie ePortfolios) erweitert, die die Teilnehmer in ihrer Zusammenarbeit aktiv unterstützen.

3. Kreditierung der Lernbausteine und Entwicklung eines Rahmens zu deren berufsübergreifenden Erfassung und Anrechnung

Die Lernbausteine werden in Zusammenarbeit der Projektpartner je nach inhaltlicher Bedeutung und absolviertem Level kreditiert. Als Erfassungs- und Anrechnungssystem für erworbene credit points wird auf Grundlage der analysierten Curricula und Berufsbiografien ein berufsübergreifendes, computergestütztes Kompetenzraster aufgebaut. Die individuellen Lernerfolge der Teilnehmer werden - zusammen mit ihren bereits vorhandenen Kompetenzen - in elektronischen Portfolios dokumentiert, die zu dem Kompetenzraster kompatibel sind. Die im Raster dokumentierten betriebsbezogenen Kompetenzen sollen schließlich hinsichtlich ihrer Anschlussfähigkeit an einen tertiären Bildungsweg auf ihre Relevanz für ein entsprechendes Hochschulstudium analysiert werden. Darauf aufbauend werden Handlungsempfehlungen z. B. für einen anschlussorientierten Studiengang der Fachrichtung Verfahrenstechnik entwickelt.

Mehrwert des Vorhabens

Die Diskussion der Anschlussfähigkeit von Bildungsabschlüssen im europäischen Raum (EQF) führt zu einem zwingenden Handlungsbedarf bei der Erarbeitung eines nationalen Qualifizierungsrahmens, wenn die Stärken des deutschen Berufsbildungssystems im Zuge der Europäisierung erhalten und zukunftsweisend ausgebaut werden sollen. Die chemische Industrie als hoch wissensbasierte Branche ist von den Entwicklungen des globalen Wettbewerbs und des technologischen Wandels – was sich vor allem in den veränderten und sich immer schneller wandelnden Anforderungen an die berufliche Handlungskompetenz ausdrückt – in besonderer Weise betroffen. Sie hat daher die bildungspolitischen Diskussionen um eine erhöhte Bildungsmobilität bereits aufgenommen, was z.B. zu einer verstärkten Modularisierung ihrer Ausbildungsberufe geführt hat. Weitere Schritte erscheinen dringend erforderlich.

Im Ergebnis des Projekts CIWES – Weiterbildung in der Chemischen Industrie – im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden als Handlungsempfehlungen für eine innovative Gestaltung des Bildungssystems insbesondere die Vernetzung und der Austausch zwischen den Bildungsakteuren, die Weiterführung bestehender Ansätze zur Modularisierung der Weiterbildung, die Schaffung eines Systems zur Zertifizierung und die Steigerung von Transparenz im Bildungssystem zur beruflichen Orientierung – etwa durch Erstellung entsprechender internetbasierter Plattformen – ausgesprochen (CIWES Endbericht, Kap. 5 - Handlungsempfehlungen, S.99).


Im Vorhaben DAWINCI sollen diese Empfehlungen aufgegriffen und an konkreten Beispielen mit hoher Relevanz für die Branche in praktischer Form umgesetzt werden. Die Erkenntnisse sollen auf eine Übertragbarkeit auf andere Berufsgruppen der Chemie sowie verwandter, ähnlich wissensbasierter Branchen hin analysiert werden.

Als Mehrwert des Vorhabens entsteht für den Lernenden:

  • die Anerkennung seiner bereits im Arbeitsprozess erworbenen beruflichen Kompetenzen, die außerhalb formaler Bildungsabschlüsse liegen
  • eine verbesserte Orientierung für seine berufliche Entwicklung im Sinne von Beschäftigungsfähigkeit anhand klar beschriebener Kompetenzanforderungen seines Berufsbilds
  • eine verbesserte Orientierung für seine mögliche Weiterqualifikation
  • der gezielte Aufbau berufsrelevanter Kompetenzen durch Teilnahme an den modularen Lerneinheiten
  • die Vereinfachung und Effizienzsteigerung der beruflichen Aufstiegsqualifikation durch die Anrechnung seiner bereits erworbenen Kompetenzen auf die aufbauende Weiterbildung und deren entsprechende Anpassung
  • die Unterstützung der lernortübergreifenden Kommunikation und Kooperation mit Lernenden an unterschiedlichen Standorten über eine virtuelle, kooperative Lernplattform
  • eine bessere Integration seines Lernprozesses in sein Arbeitsumfeld durch die Reduzierung von Abwesenheiten im laufenden Arbeitsprozess.

Die Unternehmen profitieren in ähnlicher Weise von den oben beschriebenen Faktoren und erhalten als zusätzlichen Mehrwert

  • einen besseren Überblick des im Betrieb vorhandenen Know-Hows anhand des auf das Unternehmen übertragene Kompetenzraster
  • die Möglichkeit der gezielten Förderung der Beschäftigten entlang definierter Kompetenzanforderungen durch den Abgleich der Portfolios der Mitarbeiter mit dem Kompetenzraster
  • die Identifizierung und den Aufbau von im Unternehmen vorhandenen Nachwuchsfachkräften im Sinne eines betriebsinternen Recruitings
  • eine Stärkung der Flexibilität in der Reaktion auf Marktanforderungen und damit der Wettbewerbsfähigkeit.

Aus bildungspolitischer Sicht

besteht der Mehrwert des Vorhabens zudem in der Gewinnung von praktischen Erkenntnissen zur modularen Ausgestaltung anschlussfähiger Bildungssysteme, die Empfehlungen etwa zum Aufbau eines nationalen Qualifizierungsrahmens beisteuern können.


Einen entscheidenden Beitrag soll das Vorhaben zum Aufbau und Betrieb virtueller, kooperativer Lernumgebungen zur Administration elektronischer Lernmittel und zur Unterstützung kooperativer, virtueller Lernformen leisten. Deren Bedeutung für die berufliche Bildung ist in letzter Zeit deutlich gewachsen, ohne jedoch bereits ein wirklich integraler Bestandteil von Bildungssystemen geworden zu sein.

Darüber hinaus wird eine Verbesserung der Durchlässigkeit in den Bildungswegen von einer Berufsausbildung zu einem weiterqualifizierenden Hochschulstudium aktuell – insbesondere im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung – als wirksamste Option zur Bekämpfung des prognostizierten Fachkräftemangels gerade im Bereich der naturwissenschaftlichen Berufe diskutiert. Alternative Zugangsberechtigungen, beispielsweise die Anerkennung beruflicher Qualifikationen, sind ein wesentlicher Ansatz zur Verbesserung dieser Situation. Unter diesem Aspekt belegt Deutschland gemäß der Studie Eurostudent 2005 des BMBF im europäischen Vergleich aber den Schlussplatz (Eurostudent Report 2005 - Social and Economic Conditions of Student Life in Europe, S. 36). Die Erfahrungen mit Hochschulstudienangeboten für Berufstätige mit Vorqualifikationen sind positiv und führen zu überdurchschnittlich qualifizierten Leistungsträgern – dieses Angebot gilt es, im Hinblick auf den Bedarf der Volkswirtschaft zu synchronisieren und auszubauen.

Das Vorhaben soll Möglichkeiten der Anerkennung beruflicher Qualifikationen für ein aufbauendes Fachhochschulstudium aufzeigen.

Über die Fortschritte im Projekt werden wir Sie auf der CSSA-Website fortlaufend informieren. 

 

 

 

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