Veränderungen gestalten

Die CSSA hat Anfang 2016 die Initiative InnovA gestartet. In acht Pilotbetrieben will die Chemie-Stiftung gemeinsam mit Management, Betriebsrat und Beschäftigten betriebliche Lösungen entwickeln, wie sich Veränderungsprozesse erfolgreich gestalten lassen. Die Ziele und das Vorgehen von InnovA erläutert Ulrike Weiß, Verantwortliche der Initiative.

Frau Weiß, wie ist die neue CSSA-Initiative InnovA entstanden?
Veränderungen sind für Unternehmen Alltag. Es werden neue Produkte entwickelt, neue Prozesse aufgesetzt, Abteilungen neu organisiert oder mit anderen zusammengelegt. Künftig werden die Veränderungsprozesse noch präsenter werden, aufgrund des demografischen Wandels, der digitalen Transformation der Industrie und der Internationalisierung der Arbeitswelt. Wir sind bei vielen Kontakten und Gesprächen in Unternehmen immer wieder auf ein Phänomen gestoßen: Die Beteiligten berichten, dass die Umsetzung schwierig ist, Innovationen auf Ablehnung in der Belegschaft stoßen oder buchstäblich versanden, keiner mehr recht weiß, was aus Projekten geworden ist. Das berührt zugleich den zweiten Aspekt, wie die Idee zu InnovA entstanden ist, nämlich das Thema Nachhaltigkeit. Viele Projekte laufen an, aber schaut man drei Jahre später nach, scheint davon nicht mehr allzu viel übrig zu sein.

Welche Themen soll InnovA vor allem bearbeiten?
Inhaltlich gesehen, geht es darum, wie sich Veränderungsprozesse erfolgreich gestalten lassen. Dabei setzen wir vor allem auf die interne Expertise und die Beteiligung aller Akteure. Das betrifft sowohl technologische als auch arbeitsorganisatorische Veränderungen. Sehr wichtig ist uns aber der zweite Aspekt: Uns geht es immer auch darum, Strukturen aufzubauen, die dann wieder dabei helfen, weitere Veränderungen in Angriff zu nehmen. Das meinen wir, wenn wir von Nachhaltigkeit reden.

Wie ist der aktuelle Stand?
Wir sind im Januar mit den ersten vier Unternehmen gestartet, vier weitere Unternehmen folgen demnächst. Themen, die jetzt in Projekten bearbeitet werden, sind etwa Wissenstransfer in Restrukturierungsprozessen, wie neue Fachkräftepotenziale erschlossen werden können, etwa mehr Frauen in der Produktion, oder: Wie können organisatorische Veränderungen mit Qualifizierung begleitet werden?

Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Personalentwicklung

Welche Ziele verfolgt InnovA?
Im Grunde sind es zwei. Wir wollen natürlich die beteiligten Unternehmen in ihren individuellen Veränderungsprozessen unterstützen. Aber es geht auch um einen Mehrwert für die Branche. Wir wollen bei InnovA Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Personal- und Organisationsentwicklung identifizieren, die wiederum andere Unternehmen für die bei ihnen anstehenden Veränderungsprozesse nutzen können. Wenn wir es schaffen, am Ende konkrete Handlungsempfehlungen zu geben, haben wir unser wichtigstes Ziel erreicht.

Für welche Unternehmen ist InnovA besonders interessant?
Bei den teilnehmenden Unternehmen haben wir Standorte mit 30 Beschäftigten und solche mit 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. So gesehen ist InnovA für alle interessant. Die kleinen und mittleren Unternehmen stehen für uns aber klar im Vordergrund. Der Grund ist einfach: Sie haben oft nicht die Strukturen vor Ort, um etwa systematische Personalentwicklung zu betreiben oder organisatorische Innovationen einzuführen. Es ist für sie viel schwerer derartige übergreifende Erfolgsfaktoren zu ermitteln. Selbstverständlich ist die Initiative InnovA auch für große Betriebe interessant. Wir sind gerade mit einem großen Konzern im Gespräch, der neue Vorgehensweisen kennenlernen möchte.

Wie unterstützt die CSSA die Betriebe bei der Gestaltung von Veränderungsprozessen?
In jedem Unternehmen finden zwei Projekte statt. Am Anfang steht eine Steuerungsgruppe, die sich aus Betriebsräten, Personalverantwortlichen, der technischen und wirtschaftlichen Leitung sowie Führungskräften zusammensetzt. Es sind ungefähr zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese Steuerungsgruppe begleitet den ganzen Prozess. Zu Beginn analysieren wir gemeinsam die anstehenden Veränderungen und wählen eine als Fokus des Projekts aus. Danach erarbeiten wir in Workshops mit den Beschäftigten und Führungskräften Ideen, wie man den Veränderungsprozess gestalten kann, aber nehmen auch die Sorgen auf: Was bedeutet die Veränderung, wie kann man sie nutzen? Im nächsten Schritt erarbeiten wir gemeinsam Lösungen und werten diese nach ihrer Umsetzung aus. Auf das erste oder Pilotprojekt folgt ein Transferprojekt. Hier greifen wir die Erfahrungen aus dem ersten Projekt auf und wenden diese auf eine weitere Fragestellung an.

Die CSSA legt bei ihren Projekten viel Wert auf Sozialpartnerschaft. Was bedeutet das für InnovA?
Grundsätzlich müssen alle drei Seiten am Projekt beteiligt sein: die Beschäftigten und der Betriebsrat, die Personalverantwortlichen und auch die technische und wirtschaftliche Leitung. Es gibt kein Projekt, wo nicht alle Seiten beteiligt sind. Das ist das Kernelement der sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit und auch der Schlüssel für die Akzeptanz von Veränderungsprozessen im Betrieb. Außerdem unterstützen auch die beiden Stiftungsträger der CSSA die Initiative, besonders, was die Auswertung und den Transfer der Ergebnisse in die Branche betrifft. Das heißt auch, dass vor Ort die regionalen Vertreter der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaft mit in der Steuerungsgruppe sind.

Aufbau nachhaltiger Strukturen

Veränderungen und Nachhaltigkeit sind schwer zu vereinen. Wie fördert InnovA Nachhaltigkeit?
Viele verbinden mit dem Begriff erst einmal ökologische Faktoren, zum Beispiel nachwachsende Rohstoffe - das schöpft das Spektrum von Nachhaltigkeit aber nicht aus. Die Chemieverbände entwickeln aktuell in ihrer Initiative Chemie3 Leitlinien für einen ganzheitlichen Ansatz: die Balance von Ökologischem, Ökonomischen und Sozialem. InnovA möchte das Potential der ökonomischen und vor allem der sozialen Nachhaltigkeit in die betriebliche Umsetzung bringen.

Unser methodischer Ansatz ist der Aufbau von nachhaltigen Strukturen im Unternehmen. Also solche Arbeitsweisen, die die Betriebe auch bei zukünftigen Veränderungen immer wieder nutzen können. Dazu wollen wir die beteiligten Unternehmensbereiche zu den eigentlichen Treibern der Projekte machen. Für uns heißt das: Wir müssen uns sukzessive aus der Steuerung zurückziehen.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Beim ersten Projekt in einem Unternehmen trete ich noch stark als Moderatorin auf, beim zweiten oder Nachfolgeprojekt sollen die Unternehmen es selbst übernehmen. Und schließlich gibt es bei jedem Projekt eine Reflexionsphase, wo wir fragen: Was war erfolgreich und gut und kann in Folgeprojekten angewendet werden.

Ulrike Weiß
Tel. 0611-97 00 98 0
ulrike.weiss(at)cssa-wiesbaden.de

www.cssa-wiesbaden.de/innova.html

Ulrike Weiß entwickelt bei der CSSA Konzepte zu aktuellen Themen der Arbeits- und Organisationsentwicklung und setzt diese in die betriebliche Praxis um. Derzeit leitet sie die neue CSSA-Initiative InnovA. Ihre Schwerpunkte sind Wissenstransfer, Kompetenzentwicklung und Diversity-Management. Dabei setzt sie auf die Entwicklung von akzeptierten und praxisnahen Lösungen. Bevor sie 2012 zur CSSA kam, betreute sie ein internationales Forschungsprojekt zur Integration von Neuzuwanderern in Europa an der Universität in Göttingen. An der Universität Mainz hat sie Soziologie, BWL und Psychologie studiert.

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