Die neuen Schlüsselqualifikationen

So allgegenwärtig Medien in unserem privaten und beruflichen Alltag auch sind, so komplex und unübersichtlich ist unsere Medienwelt. Doch: Wissen wir auch, wie man verantwortungsvoll mit den neuen Medien umgeht?

Es gibt inzwischen mehr Handys auf der Welt als Menschen. Fast alle Betriebe in Deutschland nutzen in der täglichen Arbeit Geräte wie Desktop-PCs, Laptops oder Tablets mit Internetzugang. Neuerdings umgeben uns auch Datenuhren und -brillen, 3-D-Drucker und Geräte zur mobilen Datenerfassung (MDE). Wir agieren vernetzt und weltweit in sozialen Medien, texten auf Twitter oder Whatsapp Kurznachrichten.

Was ist Medienkompetenz?

Weitsichtige Menschen wie der Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge Dieter Baacke hatten bereits in den 1970er-Jahren gefordert: Um sich in einer komplexen Medienwelt zurechtzufinden, muss sich der Mensch zusätzliche Kompetenzen aneignen und weiterentwickeln. Dass Medienkompetenz heute mehr denn je vonnöten ist, steht außer Frage. Nur: Was ist eigentlich mit diesem Begriff gemeint?

„Medienkompetenz soll den Nutzer befähigen, Medien und die dadurch vermittelten Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv zu nutzen."

Einerseits geht es darum, Medien zu nutzen. Dazu gehört etwa die Fähigkeit, neue Geräte zu bedienen oder zu wissen, wie Software-Programme zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation funktionieren und wie man mit ihnen Maschinen steuern kann. Das allein reicht aber nicht. „Medienkompetenz soll, aufs Ganze gesehen, den Nutzer befähigen, Medien und die dadurch vermittelten Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv zu nutzen.“ Auch wenn sich die Medienwelt in den letzten Jahren verändert hat, so hat das Zitat von Baacke im Kern nichts an Aktualität verloren. Das gilt nicht nur für die individuelle Medienkompetenz, sondern lässt sich auch auf Unternehmen übertragen.

Die Fähigkeit, kritisch mit Medien umzugehen und sie weder pauschal zu verbannen noch alles unhinterfragt für bare Münze zu halten, ist heute wichtiger denn je. Neue Phänomene wie Fake-News, Datenklau und Cybermobbing benennen zumindest die Herausforderungen: Stimmt das alles, was im Internet steht? Was passiert mit meinen Daten? Vielen fehlt es an Wissen darüber, wie man private Daten schützen, Informationen im Internet bewerten und überprüfen kann, was wahr und falsch ist.

Erst recht in Zeiten von Industrie 4.0 ist Medienkompetenz gefragt, müssen Unternehmen erheblich in die Weiterbildung der Beschäftigten investieren. In der Chemiebranche hat dies beispielsweise die BASF SE in ihrem Lernzentrum in Ludwigshafen aufgegriffen. Hier werden seit Herbst 2016 alle Beschäftigten in digitalen Kompetenzen weitergebildet. Dazu gehören Daten- und Informationssicherheit, die Datenanalyse und der Umgang mit neuen mobilen Endgeräten. Aber auch das Wissen über die digitale Transformation und wie sie sich auf das Unternehmen auswirkt. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter erhält je nach Tätigkeit und Vorkenntnissen in Lernmodulen das entsprechende Know-how. Das Besondere bei BASF: Bevor neue Technologien im Unternehmen eingeführt werden, können die Beschäftigten sie im Lernzentrum erproben.

Was können Unternehmen für ihre Beschäftigten tun?

Aber: Es geht um mehr als die Erprobung neuer Techniken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen mit ihrem Erfahrungswissen einbezogen werden. Sie müssen einen Zusammenhang finden können zwischen dem, was in Schulungen und Seminaren vermittelt wird und dem, was sie davon konkret an ihrem Arbeitsplatz brauchen. Erst dann kann ein Veränderungslernen entstehen.

Eine andere spannende Frage bei der Vermittlung von Medienkompetenz in den Betrieben ist, wie die neuen Fähigkeiten mit bereits vorhandenen verknüpft werden können. Bestimmte Personengruppen wie Angelernte und „Lernentwöhnte“ haben hier womöglich Aufholbedarf. Wie ein Projekt der Jacobs University Bremen mit der CSSA zeigt, ist das jedoch machbar: So wie beim Reifenhersteller Michelin in Bad Kreuznach.

„Lerntrainings steigern das Vertrauen der Beschäftigten in ihre eigenen Fähigkeiten und damit ihre Lernkompetenz."

Wie wir mit den neuen Medien umzugehen haben und wie wir sie am besten nutzen können, das sollte auch Bestandteil der Berufsausbildung sein. Der Einsatz von Medien wie Internet, Social Media und digitalen Geräten kann die Ausbildung sogar besser und effizienter machen. Das meint jedenfalls ein Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur „Medienaneignung und Mediennutzung in der Alltagspraxis von betrieblichem Ausbildungspersonal“. Mit einem Satz: Medienkompetenz wird für Auszubildende zur neuen Schlüsselqualifikation.

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