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18.04.2011 08:27 Alter: 9 yrs

4. CSSA-Kolloquium zu verantwortlichem Handeln

Welchen Beitrag kann eine Sozialpartnerschaft für den unternehmerischen Mehrwert leisten? Warum Ethik und was nützt sie Unternehmen? Und wie kann der Wittenberg-Prozess die Sozialpartnerschaft vertiefen? Diese Fragen standen unter anderen im Zentrum des 4. CSSA-Kolloquiums vom 13. bis 15. April in Haltern am See.


Wittenberg-Prozess in Haltern oder warum sich Ethik und Sozialpartnerschaft auszahlen


Dass die Soziale Marktwirtschaft die Möglichkeit für Wohlstand und die Teilhabe aller eröffnet, gehört zu den oft nicht hinterfragten Wahrheiten. Schaut man allerdings näher hin, dann zeigt sich, „dass weite Teile der Gesellschaft dem Modell der Sozialen Marktwirtschaft inzwischen skeptisch gegenüberstehen“, wie Detlef Lüke, Leiter des IG BCE-Bildungszentrums in Haltern am See, und Lutz Mühl, Geschäftsführer Sozialpolitik beim BAVC, in ihrem gemeinsamen Vortrag ausführten. Auf der Grundlage einer repräsentativen Befragung des Allensbacher Instituts für Demoskopie zeigten sie, dass große Teile der Bevölkerung die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland als nicht gerecht empfinden.

Zwar fällt diese Einschätzung je nach gesellschaftlichen Status unterschiedlich aus. Doch auch von den Wohlhabenden (Status hoch) halten fast die Hälfte oder 45 Prozent der Befragten die wirtschaftlichen Verhältnisse für nicht gerecht. Bei den Befragten mit mittlerem Status waren es 58 und mit niedrigem sogar 70 Prozent der von Allensbach befragten Deutschen.

Wittenberg-Prozess und Sozialpartnerschaft

Welchen Beitrag die Sozialpartner der chemischen Industrie zur Teilhabe aller bislang geleistet hat und vor welchen Aufgaben die Beteiligten des Wittenberg-Prozesses stehen, umrissen Edeltraud Glänzer, Vorstandsmitglied der IG BCE, und Hans Paul Frey, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) in ihrem gemeinsamen Rückblick auf 40 Jahre Sozialpartnerschaft in der chemischen Industrie. 1971 war der letzte Streik in dieser Branche. Das Jahr 1971 markiert laut Frey und Glänzer daher zugleich einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem BAVC und der IG BCE. Frey beschrieb ihn als die „Entwicklung von der Konfrontation über die Kooperation zur Sozialpartnerschaft.“ Ausdruck dieser Partnerschaft war unter anderem das Kamingespräch zwischen Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, und Dr. h.c. Eggert Voscherau, Präsident des BAVC, am zweiten Veranstaltungstag.

Welchen Beitrag kann eine Sozialpartnerschaft für den unternehmerischen Mehrwert leisten? Und wie können Sozialpartnerschaften für Unternehmen mehrwertschaffend gestaltet werden? Auf diese Fragen versuchte  Professor Michèle Morner vom  Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance Antworten zu geben. Ihr Fazit: „Sozialpartnerschaft fördert spezifische kollektive Ressourcen.“ Wie das in der Praxis eines Unternehmens aussieht, erläuterte Cyrille Beau, Direktor der Michelin Reifenwerke in Bad Kreuznach und Trier, in seinem Vortrag über den Wittenberg-Prozess. In einem früheren Interview mit der CSSA hatte Beau bereits die „Sozialpartnerschaft als Standortfaktor“ betont.

Ethik zahlt sich aus

In ähnlicher Weise drückte es Professor  Andreas Suchanek, Vorstandsmitglied des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik, in seinem Vortrag über die Grundlagen der Wirtschaftsethik aus: „Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.“  Noch kürzer fasste es Professor Nick Lin-Hi, Inhaber der Juniorprofessur für Corporate Social Responsibility (CSR) an der Universität Mannheim: „Ethik zahlt sich langfristig aus.“ Dieser Einsicht stimmen laut Lin-Hi zwar „die meisten Manager zu“. Doch die Realität sieht oft anders aus, wie er anhand der erheblichen Kosten oder Strafen für Daten-, und Korruptionsskandale sowie Preisabsprachen zeigte. Fazit des Mannheimer Professors: „Unternehmerisches Fehlverhalten ist teuer.“

Die Vorträge:

Lutz Mühl und Detlef Lücke

Hans Paul Frey

Professor Andreas Suchanek

Professor Nick Lin-Hi

Professor Michéle Morner

 

Impressionen zum 4. CSSA-Kolloquium hier.


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