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11.10.2011 19:55 Alter: 8 yrs

Multikulti im Betriebsrat

„Andere Länder – andere Sitten“. Das wissen Betriebsräte internationaler Unternehmen nur zu gut. Eine Gruppe aus elf Arbeitgeber- und ArbeitnehmervertreterInnen versuchte, während des zweitägigen Seminars über „Interkulturelle Kompetenz“ die eigene und fremde Kultur besser zu verstehen.



Iris Gürtler ist Betriebsrätin bei der Merck KGaA. Im Europäischen Betriebsrat (EBR) kommen Betriebsräte aus 16 Ländern zusammen. Doch auf die Einladung zur jährlichen Sitzung reagieren viele der Euro-Betriebsräte einfach nicht.  „Wir warten auf Rückmeldungen, doch für sie ist klar: Wenn ich nicht antworte, komme ich.“ Für deutsche Betriebsräte ist das keineswegs sicher. Ihnen ist Verbindlichkeit wichtig, weiß Gürtler. Wolfgang Weitzsch, Betriebsratsvorsitzender beim Kosmetikhersteller Coty Germany in Mainz, irritiert schon mal der Umgang seines EBR-Kollegen aus Monaco mit dem Mobiltelefon. Der findet gar nichts dabei, während einer Europabetriebsratssitzung ausgiebig per Handy zu telefonieren. „Für mich ist das ungehörig, für ihn normal“, meint Weitzsch. Nun gut, der Mann aus Monaco hat viel um die Ohren. Er ist nicht nur Betriebsrat, sondern auch noch Bürgermeister.

Was ist normal?

Gürtler und Weitzsch sind zwei von elf TeilnehmerInnen des Seminars „Interkulturelle Kompetenz als Chance für erfolgreiche Zusammenarbeit“, das die CSSA vom 6.-7. Oktober 2011 in Frankfurt veranstaltete. Hintergrund ist die Sozialpartner-Vereinbarung der Chemiesozialpartner BAVC und IG BCE zu den Europäischen Betriebsräten, die Schulung und Qualifizierung von EBR-Mitgliedern zu einem Schwerpunkt erklärt hat.

Für die meisten ist „Multikulti im Betriebsrat“ sozusagen Alltag - und dennoch gibt es reichlich Missverständnisse. Andrea Zott ist Betriebsrätin bei Reckitt-Benckiser, Hersteller von Markenprodukten wie Clearasil, Sagrotan oder Calgon. Schon im deutschen Betriebsrat kommen Kollegen aus der Türkei, Griechenland und Kroatien zusammen. „Und ich möchte ihr Verhalten besser verstehen lernen“, erklärt sie ihre Motivation zur Teilnahme.

Manchmal zu deutsch

Ähnlich geht es Jürgen Franzel, Betriebsratsvorsitzender beim Chemiekonzern Evonik. Franzel hat bereits die Erfahrung gemacht, dass er mit seiner sehr deutschen Art zu Denken und seiner sehr direkten Art der Kommunikation bei ausländischen Kollegen aufgelaufen ist „ohne dass ich mir das erklären konnte“. Nach zwei Seminartagen, Übungen, Rollenspielen und Diskussion über unterschiedliche Kulturen der Hierarchien, des anderen Umgangs mit Zeit und kulturgerechter Kommunikation sieht er klarer. Das Seminar und die Trainerin Diana A. Bursy haben ihm so gut gefallen, dass die CSSA das Seminarkonzept dieser Tage im Evonik-Europabetriebsrat vorstellt – für ein mögliches Inhouse-Seminar während der nächsten Sitzung des europäischen Betriebsrats.

Die Seminardokumentation steht hier zum Download bereit.

Eine Seminarreihe zu den Arbeitsbeziehungen in anderen EU-Ländern ist in Planung. Das erste Seminar dieser Reihe über Arbeitsbeziehungen in Frankreich findet am 20. Juni 2012 in Wiesbaden statt.

Ansprechpartnerin: 

Christine Kolodzyck
Tel.: 0611.97 00 98-0


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