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16.01.2012 11:31 Alter: 8 yrs

Motor der Dienstleistungsbranche

Studie der CSSA: Die Industrie, vor allem die exportorientierte, ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und der entscheidende Motor für die Entwicklung und das Wachstum des Dienstleistung-Sektors. Von einer Dienstleistungslücke kann nicht die Rede sein.



Studie der CSSA: Die Industrie, vor allem die exportorientierte, ist nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sondern auch der entscheidende Motor für Entwicklung und Wachstum des Dienstleistung-Sektors. Deshalb könne von einer Dienstleistungslücke in Deutschland, wie oft behauptet, nicht die Rede sein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie*, die die Struktur der deutschen Volkswirtschaft umfassend untersucht. André Schmidt, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Witten/Herdecke, hat sie im Auftrag der CSSA erstellt. Die Kritiker argumentieren so: In Deutschland sei der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung deutlich höher, verglichen mit Japan, den USA oder Nachbarländern wie Italien, Frankreich oder England.

Es gibt keine Dienstleistungslücke

Deshalb sei die deutsche Volkswirtschaft strukturell geschwächt. Denn diese „Industrielastigkeit“ zeige, dass der Wandel zur modernen Dienstleistungsgesellschaft in Deutschland nicht gelungen sei. André Schmidt hält diese Kritik nicht nur für unberechtigt, er kommt zudem zu einer anderen Diagnose. 

Schmidt stellt in seiner Analyse die folgenden Zahlen in den Vordergrund: Die exportorientierte Industrie steigerte ihren Produktionswert zwischen 1995 und 2007 um 85,4 Prozent. Dieses Wachstum sorgte zugleich für eine erhebliche Zunahme der direkten unternehmensbezogenen Dienstleistungen (plus 70,5 Prozent) und der indirekten unternehmensbezogenen Dienstleistungen (65,2 Prozent). Dagegen fiel nach seinen Berechnungen das Wachstum der klassischen „konsumbezogenen Dienstleistungen“ deutlich geringer aus: nur knapp 58 Prozent. Die populäre Rede von der Informations-, Wissens- oder postindustriellen Gesellschaft verkenne daher, so Schmidt, die weiterhin entscheidende Bedeutung der Industrie für die gesamte deutsche Volkswirtschaft: Die Industrie habe nicht nur einen international vergleichsweise höheren Anteil, von ihr gehe zudem die entscheidende Nachfrage nach Dienstleistungen aus; das heißt, dieser Sektor wachse und schrumpfe wesentlich in Abhängigkeit von der Nachfrage aus dem Industrie-Sektor.

Komplementäre Beziehung

Schmidt widerspricht damit der weit verbreiteten These, dass auf lange Sicht die Arbeitsplätze in der Industrie von denjenigen im Dienstleistungs-Sektor ersetzt würden. Diese These der Substituierbarkeit müsse von der Erkenntnis abgelöst werden, dass zwischen Industrie- und Dienstleistungs-Sektor eine komplementäre Beziehung bestehe. Schmidt: „Der Industrie-Sektor ist ein wesentlicher Akzelerator für die Entwicklung von Dienstleistungen.“

Vor diesem Hintergrund kritisiert der Ökonom die in der Wirtschaftspolitik oftmals populären Empfehlungen, dass Deutschland verstärkt konsumbezogene und soziale Dienstleistungen fördern solle, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Schmidt: „Die Risiken einer solchen Strategie sind höher als ihre Erfolgsaussichten.“ 

Eiligen Lesern bieten wir eine autorisierte Zusammenfassung.  

Die vollständige Studie: „Industrie und Dienstleistungen heute: Eine Strukturanalyse der Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland“


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