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31.01.2012 13:31 Alter: 8 yrs

Andere Führungskultur

Es war ein überzeugendes Votum: Dass die „Sozialpartnerschaft ein erfolgreiches Kooperationsmodell ist“ – für diese Aussage gab es 8,4 von 10 möglichen Punkten. Der Wittenberg-Prozess bei der Evonik Industries AG trifft auf gute Voraussetzungen.



Es war ein überzeugendes Votum: Dass die „Sozialpartner-
schaft ein erfolgreiches Kooperationsmodell ist“ – für diese Aussage gab es 8,4 von 10 möglichen Punkten. Etwas höher fiel die Zustimmung zu dem Satz aus, dass „Kooperation und Mitbestimmung die Leistungsbereitschaft im Unternehmen steigern“. Der Wittenberg-Prozess bei der Evonik Industries AG trifft auf gute Voraussetzungen.

Hanau-Wolfgang, es ist Mittwoch, 11 Uhr: 60 Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnen verschiedener Evonik-Standorte haben sich zum CRtopic von Evonik eingefunden. CR steht für Corporate Responsibility (Verantwortung von Unternehmen). Das CRtopic dient Evonik „als Kommunikationsmöglichkeit, um über wichtige Themen mit internen Stakeholdern ins Gespräch zu kommen“, sagte Dr. Thomas Jostmann, Leiter des Bereichs Umwelt und Verantwortung bei Evonik. Heute steht der Wittenberg-Prozess in der Chemie-Industrie auf der Tagesordnung. Zwei Drittel der Teilnehmer kennen ihn bereits, ebenso viele wissen von der Sozialpartnervereinbarung (Ethik-Kodex) zwischen der IG BCE und dem BAVC. „In Sachen Wittenberg-Prozess und Sozialpartnerschaft ist Evonik schon sehr weit“, sagte Detlef Lüke von der IG BCE. Und Ralf Hermann, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Evonik, bestätigten die hohen Zustimmungswerte darin, „dass die Unternehmenskultur bei Evonik von Mitbestimmung und Kooperation geprägt ist“.

Viele Fragen

Gleichwohl bleibt noch viel zu tun, wie Ulrich Bormann, Leiter Human Resources bei Evonik in Essen, betonte. Fragen aus dem Publikum gab es genug: Wie kann man die Idee des Wittenberg-Prozesses in die Belegschaft tragen, und wie kann man ihn leben? Wie lassen sich ethische Grundsätze und Erfolgsdruck im Unternehmen vereinbaren? Wie kann man junge Hochschulabsolventen für die Idee der Sozialpartnerschaft gewinnen? Warum gibt es den Wittenberg-Prozess bislang nur in der Chemie-Industrie und nicht auch in anderen Branchen? Und was ist das Neue am Wittenberg-Prozess?

Wille zur Kooperation

Das CRtopic war nicht der Ort, um alle diese Fragen erschöpfend zu behandeln. Es ging an diesem Tag „vor allem um eine Bestandsaufnahme“, wie Lutz Mühl vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) sagte. Dazu gehört auch der Hinweis, dass Sozialpartnerschaft und Wittenberg-Prozess Interessengegensätze nicht beseitigen. Ulrich Bormann: „Der Wert des Wittenberg-Prozesses liegt in der Weise, wie mit Interessengegensätzen umgegangen wird.“ Nämlich im Willen zur Kooperation. Der Wittenberg-Prozess zielt auf eine bestimmte Führungskultur im Unternehmen. Was das konkret heißen kann, verdeutlichte der Betriebsrats Ralf Hermann am sogenannten „Vorstandstag“: Den gibt es während der Klausurtagung des Gesamtbetriebsrats. Dort tauschen sich beide Seiten über strittige Themen intensiv aus und suchen gemeinsam nach Lösungen.


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