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25.04.2012 14:13 Alter: 8 yrs

Kollektiver Mehrwert

Das kreative Nachdenken und die kooperative Zusammenarbeit von Mitarbeitern verschiedener Abteilungen werden zunehmend wichtiger für den Mehrwert von Unternehmen. Die Bedeutung kollektiven Handelns wächst. Die betriebliche Sozialpartnerschaft kann dazu einen konkreten Beitrag leisten.


Michèle Morner


Das kreative Nachdenken und die kooperative Zusammenarbeit von Mitarbeitern verschiedener Abteilungen werden zunehmend wichtiger für den Mehrwert von Unternehmen. Die Bedeutung kollektiven Handelns wächst. Die betriebliche Sozialpartnerschaft kann dazu einen konkreten Beitrag leisten. Sie vermehrt die kollektiven Ressourcen eines Unternehmens, ist aber nicht durch Kennzahlen direkt messbar. Deshalb rät die Wirtschaftswissenschaftlerin Michèle Morner, den bedingungslosen Umgang mit Kennzahlen zu überdenken. Professor Michèle Morner, Expertin für „gute Unternehmensführung“, richtet ihr Augenmerk auf Formen des Mehrwerts, die vor allem auf  wissensintensiver Zusammenarbeit basieren, den kollektiven Ressourcen oder „Corporate Commons“.

Mehrwert durch wissensintensive Leistungen

Diese „wissensintensiven Leistungen sind interessanterweise genau jene, die besonders wichtig für den nachhaltigen Wettbewerbsvorteil von Unternehmen sind“, sagt Morner. Worin bestehen diese kollektiven Ressourcen? Ein Beispiel: Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen setzen sich zusammen, um gemeinsam neue Produkte, neue Fertigungsabläufe zu entwickeln. Oder das geplante Clariant-Innovationszentrum im Industriepark Höchst: Ab 2013 sollen dort etwa 500 Forscher, Chemiker, Ingenieure und Marketingexperten zusammenarbeiten. Von der „intelligenten Verknüpfung des Wissens“ aus Produktion, technischem Marketing, Anwendungstechnik und Analytik verspricht sich der Hersteller von Spezialchemikalien neue Erkenntnisse für die Entwicklung von Produkten. Morner: „Mehrwert entsteht aus der Förderung kollektiven Handelns, das heißt einer verbesserten Zusammenarbeit einzelner Mitarbeiter, Abteilungen und Geschäftsbereiche.“

Förderung kollektiven Handelns  

Zur Sensibilisierung für solche Prozesse tragen auch die Sozialpartnerschaft, Ethik und der Wittenberg-Prozess (WP) in der Chemischen Industrie bei. Im August 2008 hatten sich die Chemie-Sozialpartner BAVC und IG BCE auf einen Ethik-Kodex mit fünf Leitlinien verständigt. Dieser Kodex ist die Grundlage des Wittenberg-Prozesses, der das Ziel hat, die Sozialpartnerschaft zu vertiefen.

Zwar räumt Michèle Morner ein, dass die Praxis der Sozialpartnerschaft nur auf längere Sicht wirkt und zu Verbesserungen führt und dabei eher die „weichen“ Faktoren beeinflusst, wie das Klima der Kooperation und die Orientierung an gemeinsamen Werten. Morner ist aber davon überzeugt, „dass sich eine bessere Zusammenarbeit aller langfristig in nachhaltigem Mehrwert für das Unternehmen niederschlägt“.

Unberechenbare Netzwerke

Weil kollektive Ressourcen von vielen erstellt werden, eignen sich Kennzahlen als Steuerungsinstrument nicht. „Die Beiträge einzelner oder bestimmter Einheiten zu ihrer Erstellung sind nur sehr schwer mess- und damit bewertbar“, erklärt Morner. Generell hält sie Kennzahlen „für gut und sehr nützlich“. Sie dienen der betriebswirtschaftlichen Bewertung ganzer Unternehmenseinheiten oder einzelner Prozesse und tragen beispielsweise dazu bei, dass bürokratisch-hierarchische Strukturen in Unternehmen aufgebrochen werden. Doch Netzwerke und eine auf Vertrauen basierende Sozialpartnerschaft bleiben offenbar unberechenbar, jedenfalls für Kennzahlen.

„Die gemeinsame Nutzung oder die gemeinsame Entwicklung von Wissen ist für den nachhaltigen Wettbewerbsvorteil heutzutage von besonderer Bedeutung.“ Professor Michèle Morner im Gespräch mit der CSSA. Das Interview voller Länge gibt es hier


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