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21.05.2012 15:40 Alter: 7 yrs

Ältere zeigen mehr Eifer bei der Weiterbildung

Die Beteiligung älterer Beschäftigter an der betrieblichen Weiterbildung ist merklich gestiegen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Im Gegenzug bilden sich weniger junge Beschäftigte als bisher beruflich weiter.



Die Beteiligung älterer Beschäftigter an betrieblicher Weiterbildung ist merklich gestiegen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Weniger junge Beschäftigte als bisher bilden sich beruflich weiter. Darauf machte Bernhard von Rosenbladt von TNS Sozialforschung auf der Fachtagung „Systematische Personalentwicklung in KMU“ in Berlin aufmerksam.

Bernhard Von Rosenbladt ist außer Frauke Bilger einer der Autoren des Adult Education Survey (AES) aus dem Jahr 2010. Für den „AES 2010 Trendbericht“ befragte TNS Sozialforschung 7.035 Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren nach ihrer Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen in den vergangenen zwölf Monaten. Der AES ist das derzeit umfassendste Monitoring zum „Weiterbildungsverhalten in Deutschland“.

Ältere Beschäftigte holen auf

Im Vergleich zur Erhebung im Jahr 2007 ist die Weiterbildungsbeteiligung unter den älteren Erwerbstätigen (55 bis 64 Jahre) von 41 Prozent auf 46 Prozent angestiegen. Ein rückläufiger Trend ist in den jüngeren Altersgruppen (18 bis 34 Jahre) zu erkennen: Ihre Teilnahmequote ist von 54 auf 45 Prozent gesunken. Auffällig ist auch, dass sich die Gruppe der 60- bis 64-Jährigen im Jahr 2010 fast genauso häufig an Weiterbildung beteiligt hat wie die jüngste Gruppe der 18- bis 24-Jährigen. 2007 gab es hier noch eine deutliche Differenz von 21 Prozentpunkten.

Ursachen für diese Entwicklung führt TNS Infrafest Sozialforschung nicht an. Von Bedeutung dürfte sicherlich der Anstieg der Erwerbstätigen unter den Älteren sein. Da die genannten Zahlen sich auf die Erwerbstätigen beziehen, ist die aufgezeigte Trendentwicklung davon jedoch unabhängig. Ältere bleiben länger in Arbeit – und sie sind stärker an Weiterbildung beteiligt.
Eindeutig festhalten lässt sich, dass die „Weiterbildungsdistanz“ der über 55-Jährigen der Erwerbstätigen nachgelassen hat. Leider beantwortet die Erhebung nicht die Frage: Lassen die Unternehmen ihre Mitarbeiter inzwischen häufiger altersübergreifend weiterbilden? Und weniger altersdiskriminierend?

Unstreitig ist, dass die Älteren künftig länger erwerbstätig bleiben. Sie müssen sich daher stärker und häufiger weiterqualifizieren als noch vor einigen Jahren. Bernhard von Rosenbladt: „Der besondere Blick auf die Älteren darf jedoch nicht dazu führen, dass andere Altersgruppen vernachlässigt werden.“ Gerade die Qualifizierung der Jüngeren am Beginn ihres Arbeitslebens sei besonders wichtig.

Unternehmen müssen mehr tun

In den Diskussionen während der Berliner Fachtagung kristallisierte sich als richtiger Ansatz heraus, alle Mitarbeiter gleich stark und kontinuierlich zu qualifizieren – unabhängig von ihrem Alter. Das bekräftigt auch die Forderung nach lebenslangem Lernen. Als Erfolg kann sicher betrachtet werden, dass sich im Jahr 2010 die Teilnahmequoten der 55- bis 64-Jährigen mit 45 Prozent auf dem gleichen Niveau wie jene der 18- bis 34-Jährigen bewegen. Nun darf sich die Entwicklung nur nicht in die andere Richtung verkehren und die Beteiligung der Jüngeren an Weiterbildung weiter abnehmen.

Auf keinen Fall dürfen sich die Unternehmen auf die Selbstmotivation ihrer Mitarbeiter zur Fortbildung verlassen, sie müssen aktiv werden. Von Rosenbladt: „Die Unternehmen müssen mehr tun.“ Und sie brauchen mehr Unterstützung, forderte der Bildungsforscher. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien auf externe Hilfe angewiesen. Zum Beispiel mittels Förderprogrammen wie WICI.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung,
Weiterbildungsverhalten in Deutschland - AES 2010 Trendbericht, Berlin 2011


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