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22.06.2012 08:27 Alter: 7 yrs

„Partnerschaft mit Ecken und Kanten“

Sachlichkeit, Respekt, Vertrauen sind das Fundament der Sozialpartnerschaft. Die Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten des Wittenberg-Prozesses standen beim 6. CSSA-Kolloquium in Bad Münder bei Hannover im Mittelpunkt.



Sachlichkeit, Respekt, Vertrauen sind das Fundament der Sozialpartnerschaft. Die Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten des Wittenberg-Prozesses, wie die Chemische Industrie den Dialog zur Vertiefung der Sozialpartnerschaft nennt, standen beim 6. CSSA-Kolloquium in Bad Münder bei Hannover im Mittelpunkt. Für die Vertreterinnen und Vertreter des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie Personalmanager und Betriebsräte aus 14 Unternehmen gab es während der zwei Tage vom 14. bis 16. Juni reichlich Diskussionsstoff. Wolfgang Goos, Hauptgeschäftsführer des BAVC und Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE brachten zunächst den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Grundverständnis des Handelns der Chemie-Sozialpartner näher.

Sozialpartnerschaft löst Probleme

Wolfgang Goos stellte die pragmatisch-operative Funktion der Sozialpartnerschaft heraus. Er sagte, dass Sachlichkeit und Respekt die Kultur des Zusammenlebens der Sozialpartnerschaft prägen. Goos: „Die Sozialpartnerschaft ist eine Problemlöserin.“ Edeltraud Glänzer betonte, die Sozialpartnerschaft falle nicht vom Himmel. „Dafür braucht es ein stabiles, im Alltag bewährtes Vertrauen“, sagte Glänzer. Die Sozialpartnerschaft müsse sich auch ungelösten Fragen wie der Leiharbeit zuwenden oder dem Ziel, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen können als bisher.

Der diesjährige Tarifabschluss der chemischen Industrie vom 24. Mai war der Ausgangspunkt des abendlichen Kamingesprächs zwischen Margret Suckale, Mitglied des Vorstands des BAVC, und dem für Tarifpolitik zuständigen Vorstandsmitglied der IG BCE, Peter Hausmann.

Nicht ganz so geräuschlos

Peter Hausmann sagte, dass der Tarifabschluss erneut das öffentliche harmonische Bild der Chemie-Sozialpartnerschaft bestätigt habe. Er räumte aber auch ein, dass die diesjährigen Tarifverhandlungen nicht so geräuschlos über die Bühne gegangen seien, wie es etwa die Nachrichtensendungen im Fernsehen vermittelt hätten. Die Tarifverhandlungen waren teilweise von Demonstrationen begleitet.

Margret Suckale richtete ihr Augenmerk auf die anstehende Umsetzung des Tarifvertrags. Die Unternehmen müssten nun sehen, was sie der Tarifabschluss kostet. Dabei gehe es nicht nur um Geld, sondern auch um  eine „psychologische Herausforderung“: „Länger zu arbeiten verlangt vor allem auch einen Einstellungswandel der Beschäftigten, der noch nicht erreicht ist“, sagte Suckale. Die Komplexität des Demografiethemas sei noch nicht überall angekommen. Eine der Herausforderungen für die Unternehmen sei der Umgang mit dem Thema Schichtarbeit.

Große Lücke

Auch Peter Hausmann konstatierte eine „große Lücke“ zwischen Tarifvertrag und Wirklichkeit in den Unternehmen. Nicht jeder könne bis zum 67. Lebensjahr arbeiten, etwa weil die körperlichen Belastungen zu hoch seien. „'Demografietöpfe' und Langzeitkonten sind wichtige politische Instrumente", sagt Hausmann weiter. Erforderlich seien überdies flexiblere Arbeitszeiten, um junge Leute für die Chemie zu gewinnen.

Beide waren sich einig über die enorme Verantwortung der Tarifvertragsparteien. Notwendig seien deshalb differenzierte Antworten. Hausmann: „Die Erwartung an eine einheitliche Lösung für alle ist nicht mehr realistisch.“ Und als es hieß, dass der Flächentarifvertrag ein „hohes Gut“ sei, spielten gewiss die Erfahrungen Suckales bei der Bahn AG eine Rolle. Als Vorstandsmitglied der Bahn AG war sie während der Tarifverhandlungen im Jahr 2005 Verhandlungsführerin des Schienenkonzerns. Aber: Die Chemie-Sozialpartner sind anderen Branchen klar voraus, sie haben gute Voraussetzungen, den demografischen Wandel zu bewältigen.


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