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05.07.2012 13:27 Alter: 7 yrs

„In Frankreich läuft’s eben anders“

Die französische Arbeitnehmervertretung steht auf völlig anderen Beinen als in Deutschland. Was und warum es anders läuft, erfuhren die 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im CSSA-Seminar „Arbeitsbeziehungen in Frankreich“.



Es gibt kaum eine europäische Arbeitnehmervertretung, in der Deutsche und Franzosen nicht gemeinsam vertreten sind. Die französische Interessenvertretung steht jedoch auf völlig anderen Beinen, was Martin Geyer, verantwortlich für die europäische Human Resources Governance in der BASF SE in Ludwigshafen, regelmäßig in seinem Arbeitsumfeld erlebt.

Auch für Roger Falk, Referent für Eurobetriebsräte bei der GEA Group AG in Düsseldorf, ist es „schwierig, die Beziehungen in Frankreich zu verstehen.“ GEA produziert Spezialmaschinen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln und Energie. Der Maschinenbauer beschäftigt weltweit 24.000 Menschen, er hat unter anderem etliche Gesellschaften in Frankreich. Für Walter Altvater, Betriebsrat bei Saint Gobain Information Systems GmbH, steht daher fest: „In Frankreich läuft es eben anders.“

Was und warum es anders läuft, erfuhren die insgesamt 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Seminar „Arbeitsbeziehungen in Frankreich“, das die CSSA gemeinsam mit dem BAVC und der IG BCE kürzlich veranstaltete. Es war ein gelungener Auftakt zur neuen CSSA-Länderreihe. Hintergrund ist die Vereinbarung der Chemie-Sozialpartner BAVC und IG BCE zu den Europäischen Betriebsräten. Ein Schwerpunkt der Vereinbarung ist die Schulung und Qualifizierung von EBR-Mitgliedern.

Sozialpartnerschaft ist ein Fremdwort

Was bestimmt die französische Tariflandschaft? Wie setzt sich die betriebliche Interessenvertretung zusammen? Was sind die wichtigsten arbeitsrechtlichen Unterschiede beider Länder? Wie stehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zueinander? Darüber informierten der französische Professor für Arbeitsrecht Dr. Patrick Remy aus Paris, Cyrille Beau,  Werksleiter des Reifenherstellers Michelin in Bad Kreuznach und Trier sowie Raymond Ott, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Michelin.

Was die französischen Sozialbeziehungen grundsätzlich von den deutschen unterscheidet, beschrieb der stellvertretende Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Professor Dr. Henrik Uterwedde so: „Das Wort ‚Konsens‘ oder ‚Sozialpartnerschaft‘ ist in Frankreich ein Fremdwort.“ Der Staat sitze immer mit am Verhandlungstisch. Und dass der Unternehmenschef ‚Le Patron‘ genannt wird – was im eigentlichen Sinne ein Schutzheiliger ist – zeigt, welch hohe Bedeutung ihm beigemessen wird. Dies beruhe auf der Geschichte und gehe teilweise auf die lange zentralistische Tradition Frankreichs zurück.

Schwieriger Gewerkschaftspluralismus

Raymond Ott, der zusätzlich Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des Eurobetriebsrats Michelin ist, sieht den größten Unterschied im französischen Gewerkschaftspluralismus: „Es ist schwierig, alle Gewerkschaften gleichzeitig an einen Tisch zu bekommen.“

Michelin hat in Europa 60.000 Mitarbeiter und 32 EBR-Mitglieder aus 14 Nationen. Zweimal im Jahr trifft sich die Arbeitnehmervertretung: einmal in Frankreich und einmal an einem wechselnden Ort in Europa. „Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Kollegen hat sich schon gebessert“, sagt Ott. Der Austausch ist da. Voraussetzung: Ehrlichkeit und Vertrauen.

Hier gibt es die vollständige Seminardokumentation

Die Länderreihe wird fortgesetzt, das nächste Seminar ist bereits in Planung.

Ansprechpartnerin:

Christine Kolodzyck
Tel.: 0611/97 00 98 0


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