< Vorheriger Artikel
05.04.2013 15:00 Alter: 7 yrs

Auf neuen Wegen zu mehr Fitness

Die Lebensarbeitszeit steigt (Rente mit 67), das Durchschnittsalter der Belegschaften auch: Erhalt und Förderung von Gesundheit hat für Unternehmen deshalb inzwischen höchste Priorität. Programme und Projekte gibt es zuhauf. Aber: Wirken sie auch?



Die Lebensarbeitszeit steigt (Rente mit 67), das Durchschnittsalter der Belegschaften auch: Erhalt und Förderung von Gesundheit hat für Unternehmen deshalb inzwischen höchste Priorität. Programme und Projekte gibt es zuhauf. Aber: Wirken sie auch? Erreichen sie jene Arbeitnehmer, die Hilfe am nötigsten haben, etwa Schichtarbeiter?

Mainsite, Betreibergesellschaft des Industrie Centers Obernburg, stellt einen Wasserspender in die Ausbildungswerkstatt. Der erhoffte Effekt tritt ein: Das kostenlose Wasser macht den Soft-Getränken Konkurrenz – der Konsum stark gesüßter Erfrischungsgetränke ging bei den über 100 Azubis merklich zurück.

Die Chemische Fabrik Budenheim KG hat ein schlichtes, aber wirkungsvolles Mittel, wie sich die Arbeitsplätze „gesünder“ machen lassen: Anti-Ermüdungsmatten in der Produktion. Sie entlasten Skelett und Gelenke.

Beim Automobilzulieferer Hutchinson, Mannheim, geht fast ein Viertel der 350 Beschäftigten regelmäßig ins Fitness-Studio. Ihr Beitrag: 10 Euro pro Monat. „Den Rest übernimmt die Firma“, sagt Personalleiter Bernhard Rettler.

Auch Werner & Mertz in Mainz hilft seinen Mitarbeitern, fit zu bleiben. In Fitness und Rückenschule ausgebildete Sportstudenten kommen an den Arbeitsplatz und machen mit den Beschäftigten jeweils 15 Minuten lang gezielte Übungen zur Kräftigung, Haltung und Entspannung.. Das ist nur ein Schritt von vielen. Arbeitsabläufe und -plätze wurden überprüft, um schädliche Belastungen abzustellen. Das Ergebnis: Die Effekte auf den Krankenstand sind eindeutig positiv.

Kleine, praktische Schritte helfen mehr als Appelle

Die Beispiele zeigen: Appelle allein bringen nichts. „Erfolg haben oft kleine praktische Schritte. Die Hürden müssen möglichst niedrig sein“, sagt Ulrike Rudolphi von der CSSA. Sie entwickelt Angebote für Unternehmen, wie sich betriebliche Gesundheitsprogramme effektiv nutzen lassen. Nach wie vor sind Muskel- und Skeletterkrankungen der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit, gefolgt von Atemwegerkrankungen und Verletzungen. Besonders psychische Erkrankungen nehmen stark zu, sie rangieren im Fehlzeiten-Report der AOK bereits auf Platz 4. Gründe: Auftragsdruck, Intensivierung der Arbeit, ständige Erreichbarkeit, häufige Überstunden, wechselnde Arbeitsorte und lange Anfahrtswege. Das bekannteste Schlagwort lautet Burn-out. „Burn-out ist keine Modekrankheit, sondern ein ernst zu nehmendes Problem unserer Arbeitsgesellschaft, die von Menschen ständige Hochleistung verlangt“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Antje Ducki (siehe Interview mit Antje Ducki).

Umsichtige Führungskräfte

Dagegen helfen nicht allein Fitness-Programme, wichtig sind auch umsichtige und sensible Führungskräfte. Der Medizintechnikhersteller B. Braun in Melsungen hat darauf vor Kurzem reagiert. Mehr als 300 Führungskräfte, gut zwei Drittel des Managements, meldeten sich zu einem Workshop an. Thema: Führungskräfte für Anzeichen psychischer Erkrankungen sensibilisieren und im Umgang mit Betroffenen unterstützen.


preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader