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07.10.2013 14:37 Alter: 6 yrs

„Reden heißt in Italien Lösen"

Das zweite Seminar der CSSA-Länderreihe gibt ungewöhnliche und praxisbezogene Einblicke in die Arbeitsbeziehungen unseres Nachbarn Italien.



Das zweites Seminar der Länderreihe der CSSA gibt ungewöhnliche und praxisbezogene Einblicke in die Arbeitsbeziehungen unseres Nachbarn Italien.

Mit Italien verbinden viele Deutsche Urlaub, Pizza, Pasta und Chianti. Wenn die Rede auf die italienische Arbeitsmoral kommt, fallen uns schnell Worte wie „domani“ (morgen) oder „piano“ (langsam) ein. Aber: Sind die Italiener wirklich so?

Leo Berg, Betriebsratsvorsitzender bei der Orion Engineered Carbons GmbH in Köln, sagt: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit Italienern ein bisschen heikel sein kann.“ „Um nicht in Fettnäpfchen zu treten“, meldete er sich für das Seminar „Arbeitsbeziehungen in Italien“ an, das die CSSA am 18. September 2013 zusammen mit dem BAVC und der IG BCE in Wiesbaden veranstaltete. Hintergrund ist die Vereinbarung der Chemie-Sozialpartner BAVC und IG BCE zu den Europäischen Betriebsräten. Ein Schwerpunkt der Vereinbarung ist die Schulung und Qualifizierung von EBR-Mitgliedern.

Iris Gürtler ist Vorsitzende des Europäischen Betriebsrates der Merck KGaA in Darmstadt und gab als Grund für ihre Teilnahme an: „Merck hat eigene Forschungseinrichtungen und Produktionsstätten in Italien. Was die Theorie betrifft, habe ich mich schon seit längerem in die italienischen Arbeitnehmerrechte eingelesen, hier freue ich mich besonders auf die praxisbezogene Diskussion.“

15 Millionen Gewerkschaftsmitglieder

Worin unterscheidet sich das italienische vom deutschen Arbeitsrecht? Wie sieht die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Italien aus? Und wie geht es zwischen beiden  Seiten in der Praxis zu? Das hörten die 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Arbeitnehmervertreter und Personalverantwortliche – von den Referenten Dr. Volker Telljohann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsinstituts der Gewerkschaft CGIL der Region Emilia-Romagna, Susanne Hein, Rechtsanwältin und Avvocato in Mailand, Josef Benno Seidl, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied des Europabetriebsrats bei der Eni Deutschland GmbH in München, und Lars Schneider, Mitglied der Geschäftsführung der Brenntag S.p.A. in Italien.

Was viele nicht wissen: Italien ist in Europa das Land mit den meisten Gewerkschaftsmitgliedern – es soll bis zu 15 Millionen Mitglieder geben. Die Hälfte davon sind jedoch Rentner. Daraus ergibt sich ein gewerkschaftlicher Organisationsgrad von rund einem Drittel. In Deutschland ist es ein Fünftel.

Wer italienisch spricht, weiß: Man redet viel, man redet laut, man redet mit den Händen. Lars Schneider hört bei Problemen in Italien oft „Lass uns mal drüber reden.“ Aber: Reden heißt in Italien ‚Lösen‘.

Flexibilität ist das Zauberwort

Dr. Georg Rheinbay, Geschäftsführer Personal der Menarini GmbH, weiß aus Erfahrung: „In Italien zählt die persönliche Autorität. Die muss man sich über viele Jahre erarbeiten.“ Ganz anders als bei einem Organigramm, wo Hierarchien, Machtverhältnisse klar geregelt sind. Italiener haben eher eine Abneigung gegenüber Regeln und Prozessen, improvisieren gern und gut und arbeiten sehr flexibel. Josef Benno Seidl warnt aber vor Verallgemeinerungen: „Manche Italiener sind ‚deutscher‘, also präziser und pünktlicher als die Deutschen selbst.“

„Das war ein sehr interessantes und vor allem praxisbezogenes Seminar mit hilfreichen Anregungen, wie man beliebte Fettnäpfchen vermeiden kann“, fasst Claudia Bauer, Leiterin Personal - Geschäftsbereich Linde Gas
Subregion Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, die Stimmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.

Die Länderreihe wird fortgesetzt, das nächste Seminar ist für 2014 geplant. Die Seminardokumentation mit allen Vorträgen gibt es hier.

Ansprechpartnerin:
Christine Kolodzyck, Tel.: 0611.97 00 98 0


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