< Vorheriger Artikel
05.05.2014 07:59 Alter: 6 yrs

Ansprüche an Chefs steigen

Lange Zeit war Führung kein großes Thema. Mit dem demografischen Wandel steigen aber die Ansprüche an Führungsarbeit. Boehringer Ingelheim hat dazu jüngst eine groß angelegte Studie über „Führung und Gesundheit“ erstellen lassen.



Lange Zeit war Führung kein großes Thema. Mit dem demografischen Wandel steigen aber die Ansprüche an Führungsarbeit. Boehringer Ingelheim hat dazu jüngst eine groß angelegte Studie über „Führung und Gesundheit“ erstellen lassen.


„Schlechte Führung macht krank“, heißt es in dem Flyer „Gesunde Führung“ der IG BCE. Mit dieser Auffassung steht die Chemie-Gewerkschaft nicht allein. „Das Verhalten von Führungskräften hat einen enormen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Andrea Jakob, Leiterin HR Services & Expertise Center bei Boehringer Ingelheim. Das sei von vielen Studien bestätigt. Umfragen belegen: Hierzulande sagen nur 69 Prozent der Beschäftigten, ihr Vorgesetzter unterstütze sie manchmal oder oft. Im EU-Durchschnitt sagen dies immerhin 81 Prozent, stellte die EU-Kommission im Jahr 2010 fest (Fünfte Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen). So bleibt in Deutschland noch einiges zu tun.

Mitarbeiter wünschen sich mehr Unterstützung

An Brisanz gewinnt das Thema aufgrund des demografischen Wandels und der längeren Lebensarbeitszeiten. In vielen Unternehmen setzt sich die Erkenntnis durch: Wer über Gesundheit und ein Betriebliches Gesundheitsmanagement nachdenkt, kann das Thema Führung und die Führungskräfte nicht außen vor lassen. In der zusammen mit der Universität Heidelberg erstellten Studie „Führung und Gesundheit bei Boehringer Ingelheim“ geht das Pharmaunternehmen daher der Frage nach: Wie wirkt sich unterschiedliches Führungsverhalten von Vorgesetzten auf die Gesundheit von Mitarbeitern aus? Die hohe Rücklaufquote unterstreicht für Andrea Jakob, dass dieses Thema den Beschäftigten sehr wichtig ist (mehr: Interview mit Andrea Jakob

Spezielles Seminarprogramm für Führungskräfte

Wie wichtig Unternehmen das Thema Führung nehmen, zeigt sich auch beim Medizinhersteller B. Braun in Melsungen. Das Unternehmen entwickelte ein Seminarprogramm, das Führungskräfte für die Anzeichen psychischer Erkrankungen ihrer Mitarbeiter sensibilisieren und sie im Umgang mit den Betroffenen unterstützen soll. Zuvor hatten die Personalabteilung und der Betriebsrat im Jahr 2012 die Suche nach Ansatzpunkten für einen systematischen Umgang mit Fällen psychischer Überlastung gestartet. Sie fanden heraus: In den meisten Fällen gab es bereits im Vorfeld der Erkrankung erste Hinweise. Wenn man diese frühzeitig erkennt, kann den Betroffenen wirkungsvoller geholfen werden.

Neue Wege geht auch der Pharmahersteller Sanofi-Aventis im Industriepark in Frankfurt-Höchst. Gesundes Führen ist dort seit kurzem Teil der Jahreszielvereinbarung mit den Führungskräften. Es wirkt sich also aufs Salär aus. Für Michael Klippel, Betriebsratsvorsitzender bei Sanofi-Aventis, beginnt gesundes Führen mit der Frage: „Wie gehe ich mit mir um?“ Wer Raubbau an seiner eigenen Person betreibe, halte sich wohl kaum zurück, das gleiche von seinen Beschäftigten zu verlangen.


preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader