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30.06.2014 12:57 Alter: 5 yrs

Überlastung ist kein Schicksal

Arbeit, Leben und Lernen kann man ins Gleichgewicht bringen. Die wichtigste Voraussetzung: „Unternehmensleitungen und die Beschäftigten müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Arbeit partizipativ gestaltbar ist“, sagt Rita Meyer, Professor für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung.



Arbeit, Leben und Lernen kann man ins Gleichgewicht bringen. Die wichtigste Voraussetzung: Unternehmensleitungen und die Beschäftigten müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Arbeit partizipativ gestaltbar ist. „Dann können viele Probleme angegangen und produktiv verändert werden“, sagt Rita Meyer, Professor an der Leibniz Universität Hannover/Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, im Gespräch mit der CSSA.

Unstreitig ist: Die Arbeitswelt hat sich stark verändert. Es gibt eine hohe Arbeitsverdichtung, neue Arbeitsformen wie z.B. die Projektarbeit, die auch höhere Anforderungen an die Selbststeuerung der Beschäftigten stellt, auch der Termindruck ist gestiegen. Außerdem müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen. Hinzu kommt, dass sich das Wissen verändert hat. „Was heute noch stimmt, ist morgen schon passé, das heißt unser Wissen verfällt schneller, die Halbwertszeit sinkt“, sagt Rita Meyer. Das bedeutet, dass die Beschäftigten permanent lernen müssen, und zwar in der Arbeit und auch im Privaten. „Von den Mitarbeitern wird erwartet, dass sie in der Arbeit lernen, ihre Fortbildung also selbst in die Hand nehmen“, betont Meyer. Und es gebe auch einen großen politischen Druck durch die permanent wiederholte Aufforderung zum lebenslangen Lernen.

Viele Beschäftigte versuchen, diesen Anforderungen auch dann zu genügen, wenn die Arbeit schlecht organisiert ist. Sie glauben nicht daran, dass Arbeitsbedingungen verändert und so überflüssiger Stress vermieden werden kann. „Es lässt sich zum Teil eine Ohnmacht bei den Betroffenen beobachten“, sagt Rita Meyer. „Dabei muss Überlastung kein Schicksal sein – mit entsprechenden Maßnahmen zur Vereinbarung von Arbeit, Leben und Lernen kann die Balance zwischen diesen Bereichen stabilisiert werden." Meyer hatte vier Jahre lang, von 2009 bis 2013, in dem interdisziplinären Forschungsprojekt „Allwiss-Arbeiten-Lernen-Leben in der Wissensarbeit“ mitgearbeitet.

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt hatte erstmals auch den Aspekt des Lernens mit in den Blick genommen. Meyer: „Obwohl immer betont wird, dass selbst nach einer fundierten Ausbildung in der Lehre oder im Studium weiter gelernt werden muss, hatte sich die Forschung damit bislang nicht befasst und nur den Aspekt von Arbeit und Leben bzw. die Work-Life-Balance fokussiert." Wie wichtig auch die Seite des Lernens ist, unterstreiche die Tatsache, „dass die mangelnde Work-Learn-Life-Balance bei vielen Akademikern dazu führt, dass sie gar keine Familien gründen und sich ganz dem Lernen bzw. der Karriere widmen.“
Das ganze Interview: weiter... 


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