< Vorheriger Artikel
27.10.2014 12:42 Alter: 5 yrs

Das Betreuungsgeld muss wieder weg

„Das Betreuungsgeld ist ein Musterbeispiel für Fehlanreize.“ Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW-Köln) ließ kein gutes Haar an dem familienpolitischen Instrument der Bundesregierung. Er fordert, das Betreuungsgeld muss wieder abgeschafft werden.


Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW-Köln). Foto: Hessenchemie


„Das Betreuungsgeld ist ein Musterbeispiel für Fehlanreize.“ Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW-Köln) ließ kein gutes Haar an dem familienpolitischen Instrument der Bundesregierung. Er fordert, das Betreuungsgeld muss wieder abgeschafft werden.



Hüther fragte in seinem Vortrag auf den 10. Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik: Wie effektiv ist die familienpolitische Förderung aus ökonomischer Sicht? Seine Ausführungen reihten sich ein in das diesjährige Motto der Gespräche, zu denen die Hessenchemie seit nunmehr zehn Jahren einlädt: „Familienpolitik im Unternehmensfokus.“ Zum Thema ist auch ein Tagungsband erschienen mit Beiträgen u. a. von Margret Suckale, Präsidentin des BAVC, und Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE.

Deutschland fördert Familien stärker als andere Länder

Hüther legte die wirtschaftliche Bedeutung der Familienpolitik dar. Sie ist für ihn auch eine Politik der „Fachkräftesicherung“. Außerdem dient sie der Demografievorsorge. Deutschland gibt mehr Geld für die Förderung der Familien aus als viele andere Länder, nämlich gut 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes oder 125,5 Milliarden Euro. Der Durchschnitt aller 33 OECD-Länder beträgt 2,6 Prozent. Damit liegt Deutschland, so Hüther, weltweit im vorderen Drittel.

Allerdings geht es nicht nur um Höhe der finanziellen Leistungen. Oft erreichen Geldtransfers nicht die erhofften oder erwünschten Ziele: Was sich positiv für die wirtschaftliche Stabilität einer Familie auswirkt, kann ein Nachteil für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und/oder die Geburtenrate sein. Anders als Investitionen in die Betreuung von Kindern (Kindertagesstätten, Kitas) können monetäre Leistungen wie Ehegattensplitting, die beitragsfreie Mitversicherung und das Betreuungsgeld Fehlanreize setzen: Sie befreien von der Notwendigkeit zur Erwerbsarbeit oder untergraben den Wunsch zu arbeiten, weil sie Erwerbstätigkeit unattraktiv machen.

Das Betreuungsgeld mindert die Chancengleichheit

Negativ sei das Betreuungsgeld noch in anderer Hinsicht. Wer nur niedrige Einkommen bezieht, dem gibt das Betreuungsgeld „starke Anreize auf eine externe Betreuung seiner Kinder zu verzichten,“ warnte Hüther. Doch gerade für benachteiligte Kinder wären die „kompensatorischen Wirkungen“ einer externen Betreuung wichtig. Das Betreuungsgeld mindert daher aus Hüthers Sicht die Chancengleichheit sozial benachteiligter Kinder.

Dagegen hat eine gute Betreuungsinfrastruktur Vorteile für die Eltern und Kinder. Deshalb müssten die Betreuungsangebote für Kinder zwischen zwölf Monaten und zwölf Jahren flächendeckend und bedarfsgerecht ausgebaut, die Qualität der Betreuung gesichert und schließlich die Elternbeiträge für Betreuungseinrichtungen und offene Ganztagsschulen angeglichen werden. Aber, so warnte der Ökonom mit Blick auf Pläne der Bundesregierung, die Arbeitszeit junger Eltern zu reduzieren: Die Wirtschaft dürfe nicht überfordert werden. Hüther: „Keine noch stärkere politische Einflussnahme auf die Gestaltung von Arbeitszeiten.“


preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader preloader