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26.03.2015 11:01 Alter: 5 yrs

Nachdenken über soziale Nachhaltigkeit

Wie können ökologische und soziale Interessen zusammen gebracht werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Kongresses „Die öko-soziale Frage“ am 20. und 21. März in Berlin. Zu dem Kongress hatte die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen.


Soll so selbstverständlich wie eine Eckkneipe werden: der Bioladen.


Wie können ökologische und soziale Interessen zusammen gebracht werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Kongresses  „Die öko-soziale Frage“ am 20. und 21. März in Berlin. Zu dem politisch und wissenschaftlich hochrangig besetzten Kongress hatte die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen.




Die „Suche nach der grünen Erzählung“ scheint nicht einfach. „Ökologie ist ja keineswegs per se eine freiheitliche Angelegenheit. Sie kann unschön daher kommen, immer unter Berufung auf die Rettung der Menschheit.“ Mit diesen überraschenden Worten eröffnete der Präsident der Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, den Kongress. „Die Natur“ sei für sich noch kein Wert, aus dem eine bestimmte Politik folge. Deshalb sei die Kombination von „sozial“ und „ökologisch“, so Fücks weiter ein unverzichtbarer Bestandteil grüner Politik.

Unverzichtbarer Bestandteil: sozial und ökologisch

Wie unterschiedlich die Vorstellungen von dieser Kombination sein können, zeigte sich im Verlauf des Kongresses. Für Rebbecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, liefert ökologische Politik das Soziale quasi mit. Etwa wenn ökologische Katastrophen verhindert oder ökologisch gebotenen Maßnahmen ergriffen werden. Gegen diese „implizite“ Auffassung des Sozialen wandte sich Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen: „ Ökologische Politik lässt sich nur sozial durchsetzen.“

Was das konkret bedeutet, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Diskutiert wurden unter anderem sozial- und steuerpolitische Instrumente (wie etwa die Dienstwagenbesteuerung) bis hin zu dem Vorschlag, eine CO2-Steuer zu erheben. Dafür sprach sich Ottmar Edenhofer, stellvertretender Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, aus.

Ein funktionierender Sozialstaat allein reicht nicht

Andererseits sei die Antwort auf die „öko-soziale Frage“ nicht allein ein funktionsfähiger Sozialstaat. Dafür bedürfe es zusätzlich funktionierende soziale Netzwerke und Solidarität im Alltag. Außerdem müsse die soziale Frage bildungs- und beschäftigungspolitisch beantwortet werden und Fragen nach Einkommen und Arbeitsplätze beantworten.

Deutlich machte der Kongress auch, dass die Grünen mit dem folgenden Widerspruch zu kämpfen haben: Ihnen wird viel ökologische, aber wenig soziale Kompetenz zugesprochen. Das behagt ihnen sowenig wie die Tatsache, dass die Öko-Partei sehr unterschiedlich wahrgenommen wird: Die einen sehen sie als Partei der Hedonisten, die die Lebenslust und –freude in den Vordergrund stellt, andere als Verbotspartei, die im Namen der Ökologie jedermann die Lebensfreude austreiben möchte. Peter Siller von der Böll-Stiftung fasste eine Perspektive kurz und bündig zusammen: „Der Bioladen muss zur Eckkneipe werden.“  

Am Rande sei noch vermerkt: So viele junge, gebildete Frauen und Männer würden sich gewiss auch andere Parteien und Verbände als Teilnehmer wünschen. Und sicher auch ihr Engagement. Wo gibt es das schon, dass selbst an einem Samstagmorgen der Saal bis auf den letzten Sitzplatz besetzt ist?


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