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27.04.2015 08:42 Alter: 5 yrs

„Wir erarbeiten jetzt das Fundament“

Die Sozialpartner der chemischen Industrie haben gemeinsam mit dem Wirtschaftsverband vor zwei Jahren die Allianz Chemie3 geschmiedet. Ihr Ziel: Das Leitbild Nachhaltigkeit in der Branche fest zu verankern.



Die Sozialpartner der chemischen Industrie haben gemeinsam mit dem Wirtschaftsverband vor zwei Jahren die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 geschmiedet. Ihr Ziel: das Leitbild Nachhaltigkeit in der Branche fest zu verankern. Jetzt steht das Bündnis vor einer großen Herausforderung: Bis 2016 will es Indikatoren entwickeln, mit denen der Fortschritt von Nachhaltigkeit konkret belegt werden kann.  

Der Name Chemie3 signalisiert zweierlei. Zum einen weist er auf die drei Gründer hin: den Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und den Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC). Und zum anderen zielt er darauf ab, dass es drei Dimensionen von Nachhaltigkeit gibt, zwischen denen eine Balance gefunden werden sollte: die Ökologie, die Ökonomie und das Soziale. Damit beschreitet die Allianz Neuland. Jetzt packt das Trio die Aufgabe an, „Nachhaltigkeit konkret und belegbar zu machen“, so formuliert Margret Suckale, Präsidentin des BAVC, den Anspruch. Vor allem Vertreter der Umweltverbände und auch aus der Politik drängten auf nachvollziehbare Kriterien, sagte Suckale anlässlich einer Sitzung des CSSA-Kuratoriums weiter: „Messbarkeit ist ein großes Thema.“ Entsprechend anspruchsvoll sei die Aufgabe, unterstrich Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. Denn die Fortschrittsindikatoren müssten vor den Augen einer kritischen Öffentlichkeit bestehen können. Für Vassiliadis ist die Arbeit der Initiative damit „in eine entscheidende Phase eingetreten“. Vassiliadis: „Wir erarbeiten jetzt das konkrete Fundament für unsere zukünftige Arbeit.“

Nachhaltigkeitskonzepte: Dahinter stehen unterschiedliche Werte

Um das ambitionierte Ziel in dem knappen Zeitraum zu erreichen, hat das Trio die Aufgaben geteilt. So kümmert sich der VCI um die Entwicklung der ökonomischen und ökologischen Indikatoren, während BAVC und IG BCE mit Unterstützung der CSSA die sozialen Indikatoren erarbeiten. Ein Expertenrat steht den jeweiligen Teams inhaltlich und methodisch zur Seite. 

Vor welcher Aufgabe Chemie3 steht, verdeutlicht Christoph Hubig, Professor an der Technischen Universität Darmstadt. Hubig lobt die Initiative, wirke sie doch „der Verengung der Nachhaltigkeitsdebatte auf die Ökologie entgegen“ (siehe Interview mit Professor Christoph Hubig). Ferner bringe sie „zum Ausdruck, dass es darum geht, diese drei Dimensionen auszubalancieren.“ Dem Wissenschaftler ist wichtig, deutlich zu machen, dass hinter den unterschiedlichen Nachhaltigkeitskonzepten – ob ökologisch, ökonomisch oder sozial – miteinander konkurrierende Werte stehen. Hubig: „Wer aus ökologischer Sicht kompromisslos den Bestand an Naturkapital wie Wald oder saubere Flüsse erhalten will, lehnt womöglich ein ökonomisches Nachhaltigkeitskonzept ab, das dieses Kapital nutzen möchte.“ Wer dagegen nachhaltig mehr Wohlstand wolle, scheue sich nicht, dafür auch in die Natur einzugreifen und die Umwelt zu verändern. Hubig warnt vor der Illusion eines Konsens zwischen den Vertretern unterschiedlicher Nachhaltigkeitskonzepte.

Dissensmanagement statt Konsenszwang

Er plädiert stattdessen für ein Dissensmanagement, das die Unterschiede anerkenne und einen „höherstufigen Konsens“ suche. Ein Beispiel dafür sind die neuen VDI-Richtlinien 7000 und 7001 zur frühen Beteiligung der betroffenen Akteure an öffentlichen Infrastrukturprojekten. Sie formulieren Kriterien für eine zeitige, umfassende und transparente Information der Öffentlichkeit.


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