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27.01.2016 14:38 Alter: 4 yrs

„Wir wollen eine Kulturveränderung“

Der Pharma-Konzern Sanofi will mehr Frauen für die Leitungsebene gewinnen. Wie das gelingen kann, diskutierten jüngst 100 Frauen in Führungspositionen während des sogenannten Gender Days bei Sanofi.



Ohne Frauen geht es nicht, auch bei Sanofi in Deutschland nicht: Fast 40 Prozent der 8.600 in Frankfurt-Höchst, Berlin und Neu-Isenburg Beschäftigen sind Frauen. In den Forschungslabors und -abteilungen ist jeder zweite Wissenschaftler oder Laborant eine Frau, im Marketing und Vertrieb stellen sie sogar die Mehrheit, nämlich 56 Prozent. In den Führungsetagen des Pharma-Konzerns sind es 22 Prozent. Für Sanofi nicht genug. Denn das Unternehmen will mehr Frauen für die Leitungsebene gewinnen. Wie das gelingen kann, diskutierten jüngst 100 Frauen in Führungspositionen während des sogenannten Gender Days bei Sanofi, den der Pharmakonzern im September 2015 zum zweiten Mal veranstaltete. Erstmals nahmen auch 25 Männer in Führungspositionen teil und diskutierten mit.

„Vom Talent zum Senior Management“

„Viele Frauen sind selbstkritischer, was ihre eigenen Fähigkeiten betrifft“, sagt Beate Bockelt, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Sanofi. Die Folge: Auch wenn sie die verlangten Qualifikationen einer Stellenausschreibung überwiegend, aber nicht vollständig erfüllen, bewerben sie sich häufig nicht. Mit dem Gender Day haben Frauen die Möglichkeit, sich einen Tag lang über ihre Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Aber das Unternehmen stellt auch die Frage: Wo sind Hindernisse? Wie kann Sanofi unterstützen? Die Teilnehmer diskutierten in drei Workshops über „Unconscious bias“ (unbewusste Vorurteile oder Rollenklischee), „Karriere 2.0“ (Wenn die Kinder aus dem Haus sind oder Beschäftigte aus der Pflege entlastet sind) und „Vom Talent zum Senior Management“ (Was kann Sanofi, was können Frauen dazu beitragen, entdeckt zu werden?).

Wandel aktiv fördern

Sanofi will den Wandel nicht zur alleinigen Sache der Frauen machen, sondern ihn aktiv fördern. So hat auch der Vorstandsvorsitzende von Sanofi, Olivier Brandicourt, einen klaren Auftrag an die Ländergesellschaften gegeben, stärker das Potential an weiblichen Führungskräften zu nutzen. „Wir wollen eine Kulturveränderung schaffen“, drückt es Frank Rusko aus, bei Sanofi zuständig für Social Affairs, Diversity und Inklusion und Veranstalter des Gender Days. Dazu gehört auch eine Zielvereinbarung: Bis zum Jahr 2017 will der Pharmakonzern den Anteil von Frauen in den beiden Führungsebenen unter der Geschäftsführung von jetzt 22 bzw. 27 auf 30 Prozent steigern.

Wichtig ist aber auch: Es geht nicht nur um Frauen, sondern auch um Väter, die in Elternzeit gehen, aber auf eine Karriere nicht verzichten wollen. Beate Bockelt: „Es muss selbstverständlich werden, dass Väter auch länger in Elternzeit gehen.“ Denn, so argumentiert Frank Rusko: „Wenn ich Vätern erleichtere, ihre private Rolle wahrzunehmen, wird es auch für Frauen einfacher, ihre berufliche Rolle auszufüllen.“

Teil der Initiative „Leben & Arbeiten bei Sanofi“

Der Gender Day bei dem Pharmakonzern ist Teil der im Jahr 2013 gestarteten Initiative „Leben & Arbeiten bei Sanofi“, die auf drei Säulen steht: Gender Balance, Modernes Arbeiten und Soziale Verantwortung. Zugleich ist der Gender Day ein Startsignal für weitere Aktivitäten. Zu nennen wäre „Lunch & Learn“, ein etwa dreistündiger Impulsworkshop für weibliche Führungskräfte, oder „Identity“, das sich an alle außertariflich bezahlten Frauen ohne Führungsverantwortung richtet, die sich damit auseinandersetzen möchten, wie sie ihre Karriere weiterentwickeln können. Und aus dem Wunsch nach mehr Austausch sind regelmäßige Frühstücktreffen und ein Gendernetzwerk entstanden. Alle Themen des Gender Days werden so in kleinen Gruppen weiter bearbeitet.

Hat sich bereits etwas verändert? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  bei Sanofi sagen ja, so Frank Rusko. Er bezieht sich auf die letzte Umfrage zur Familienfreundlichkeit. Auch Beate Bockelt spürt Veränderungen: die Mitarbeiterinnen reden in der Kantine über ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Das Thema Karriere wird zunehmend zu etwas Selbstverständlichem.

Zahlen und Fakten:

Ab diesem Jahr müssen die meisten börsennotierten Konzerne eine Frauenquote bzw. Geschlechterquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten von etwa 100 großen Unternehmen einführen. So sieht es das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ vor. Etwa 3.500 weitere Unternehmen sind verpflichtet, sich eigene Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen zu setzen. Die Geschlechterquote gilt auch für die Besetzung von Aufsichtsgremien im öffentlichen Dienst, in denen dem Bund mindestens drei Sitze zustehen. Warum es die Quote gibt, machen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) deutlich. Danach herrscht in höheren Führungsebenen noch immer eine „männliche Monokultur“.  Frauen in Spitzenpositionen sind eine Ausnahme: Bei den 200 größten Firmen waren im Jahr 2014 nur 47 von 877 Vorstandsmitgliedern Frauen – ein Anteil von gut fünf Prozent, so das DIW. Bei den 100 größten Unternehmen sank der Frauenanteil in der Chefetage sogar von knapp fünf auf gut vier Prozent.

Bei Sanofi ist aktuell eine Frau in der Geschäftsführung. 22 Prozent der Führungskräfte, in der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung und 27 Prozent der zweiten Ebene sind Frauen. Das Ziel: 30 Prozent bis zum Jahr 2017.


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