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29.03.2018 11:46 Alter: 201 days

Digitale Aussichten in Baden-Württemberg

Ein zögerlicher Umgang wurde der Chemiebranche mit dem Thema Industrie 4.0 in der Vergangenheit zugewiesen. Das lässt sich für die baden-württembergischen Betriebe nicht bestätigen.



Ein zögerlicher Umgang wurde der Chemiebranche mit dem Thema Industrie 4.0 in der Vergangenheit zugewiesen. Das lässt sich für die baden-württembergischen Betriebe nicht bestätigen.

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) befragte im Auftrag der IG BCE und des Arbeitgeberverbands (agv) Chemie in Baden-Württemberg etwa 1.200 Beschäftigte und rund 60 Manager der oberen Ebene. In den meisten Chemie-Unternehmen werden bereits Projekte zur Digitalisierung und Vernetzung umgesetzt. Und: Digitalisierung und Vernetzung halten die meisten Führungskräfte als unbedingt erforderlich – mit 62 Prozent ist das für ihr Unternehmen sogar noch wichtiger als insgesamt für die Branche (51 Prozent). „Wir in der Chemie leben die digitale Chemie 4.0 längst. Für Unternehmen wie für Mitarbeiter kann Digitalisierung besseres, flexibleres Arbeiten bringen“, sagt Markus Scheib, Vorsitzender des agv Chemie und Geschäftsführer der Mineralölraffinerie Oberrhein. Das größte Digitalisierungspotenzial sehen die Befragten außer im EDV-Bereich (51 Prozent) auch in der Produktion (39 Prozent) und der Logistik (43 Prozent). Sie nehmen sowohl Chancen als auch Risiken wahr, wobei die Chancen aus Sicht beider Seiten überwiegen. In der Branche gibt es eine Vielzahl von Projekten zur Digitalisierung, aber es mangelt an neuen Produkten mit digitalen Anteilen und neuen Geschäftsmodellen mit digitaler Wertschöpfung.

Chancen der Digitalisierung überwiegen

Welche Vorteile die Digitalisierung bringt, beantworten die Führungskräfte mit weiterer Automatisierung, vereinfachten Arbeitsabläufen und transparenten Wertschöpfungsketten. Die Automatisierung wird daher von den meisten Unternehmen auch verstärkt für die Zukunft geplant. Hemmnisse bei der Umsetzung liegen mit 34 Prozent vor allem in fehlenden technischen Voraussetzungen. Hier gibt es noch Aufholbedarf. Auch gibt es oft keine klaren Methoden und Prozesse für die digitale Transformation und für immerhin 32 Prozent ist der konkrete Nutzen für das Unternehmen nicht transparent. Doch die Chancen überwiegen: Knapp 60 Prozent der Beschäftigten sehen in der digitalen Technik mehr Möglichkeiten für mobiles Arbeiten und noch etwas mehr für zeitlich flexibles Arbeiten – und damit eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Die Mitarbeiter haben zudem großes Vertrauen in ihre Arbeitsplatzsicherheit. Fast 70 Prozent sehen kein oder nur ein geringes Risiko, dass ihr Arbeitsplatz durch die Entwicklungen der Digitalisierung gefährdet ist. Die Vorgesetzten sehen das ähnlich.
An der Befragung beteiligten sich überwiegend gut qualifizierte Beschäftigte. Diese fühlen sich ausreichend auf den digitalen Wandel vorbereitet. Andererseits sehen die Führungskräfte eine anstehende Verknappung von gut ausgebildeten Fachkräften. Bereits heute stimmen etwa 30 Prozent der Mitarbeiter der Aussage, dass zukünftig durch neue Aufgaben ein ständiges Lernen erforderlich sein wird, vollständig zu. Die Chemie- und Pharmabranche in Baden-Württemberg will künftig mehr in die Digitalisierung investieren: Der gemittelte Digitalisierungsgrad über alle Unternehmensbereiche soll von aktuell 11 Prozent auf zukünftig 47 Prozent ansteigen.

Die ganze Studie „Digitalisierung und Arbeitswelt in Chemie und Pharma Baden-Württemberg“ gibt es hier zum Download: bit.ly/Digitalisierung_in_BW


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