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06.04.2018 13:10 Alter: 133 days

„Müssen ins Team passen"

Das Familienunternehmen Trimet Aluminium SE in Essen gibt Geflüchteten eine Perspektive für ihr neues Leben in Deutschland. Dafür will es 66 zusätzliche Ausbildungsstellen schaffen.


v.l.n.r.: Die Auszubildenden Abid Othman und Hassan Abo-Shakra.


Heinz-Peter Schlüter wollte sich engagieren. Und so wünschte sich der Trimet-Gründer zu seinem 66. Geburtstag keine Geschenke, sondern dass zur Unterstützung von Flüchtlingen Spendengelder gesammelt werden. Kurz nach seinem Geburtstag ist Schlüter im Jahr 2015 leider verstorben. Aber das Unternehmen führt den Gedanken in seinem Sinne weiter.

Bis zum Jahr 2022 will Trimet an seinen Produktionsstandorten in Essen, Voerde und Hamburg 66 zusätzliche Ausbildungsplätze für geflüchtete Menschen schaffen. „Die Zahl 66 ist nicht zufällig gewählt, sondern soll an den 66. Geburtstag unseres Gründers erinnern“, sagt Personalentwicklerin Dorothée Wallenfels. Der Vorstand und der Aufsichtsrat des Unternehmens sowie der geschäftsführende Hauptvorstand der IG BCE und die Kaps-Stiftung zur Nachwuchsförderung im Metallhandel stehen dahinter. Betriebsratsvorsitzender Thomas Flesch: „Wir werden von ganz oben unterstützt, das ist eine große Hilfe.“ Die Suche nach geeigneten Kandidaten begann in 2015. Ohne jegliche Vorerfahrung wusste das Familienunternehmen noch gar nicht, wie es die Voraussetzungen definieren sollte und verwendete den normalen Einstellungstest für Auszubildende. Schnell war klar, dass der Test schon allein wegen ihrer Deutschkenntnisse von den Geflüchteten nicht zu schaffen ist. Heute wissen es die Ausbilder besser und beurteilen im Vorstellungsgespräch in erster Linie nach Sympathie. „Mir ist wichtig, dass derjenige in unser Team passt“, sagt Timo Koesling, Leiter für die technische Ausbildung am Standort Essen. Wenn er darüber hinaus handwerklich geschickt ist, die Grundrechenarten beherrscht, sich an Regeln hält und im Team offen mit den Kollegen umgeht, hat er gute Karten. Diese Herangehensweise trägt Früchte: Das Feedback der Belegschaft ist positiv, die Auszubildenden verabreden sich zum gemeinsamen Fußballspiel. Vorurteile gibt es keine.

Lieber kleine Schritte gehen

In noch einem weiteren Punkt unterscheidet sich das Projekt „Berufsbildung für Flüchtlinge“ von Integrationsbemühungen anderer Unternehmen: Trimet lässt sich Zeit, wählt mit Bedacht – und mit der Perspektive, zukünftige Facharbeiter auszubilden. Dorothée Wallenfels: „Wir hören auch von anderen Betrieben, die zum Beispiel 66 Kandidaten auf einmal aufnehmen. Die mussten dann feststellen, dass sie sich übernommen haben und am Ende nur noch einer übrig bleibt.“ Gerade Geflüchtete mit wenig Deutschkenntnissen und keiner Vorstellung davon, wie die Arbeit in der Industrie und noch dazu in einem fremden Land aussieht, brauchen eine intensive Betreuung. „Wir gehen lieber kleine Schritte und fahren damit äußerst erfolgreich“, sagt Wallenfels. Betreuung ist der eine Baustein, der das Projekt trägt. Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen und Funktionen haben sich freiwillig als Paten gemeldet. Sie unterstützen die Geflüchteten bei Behördengängen, beim E-Mail-Schreiben und anderen Alltagsthemen. Thomas Flesch erzählt von einem Beispiel: „Ein syrischer Kollege hat Familie, zwei kleine Kinder. Da haben wir uns gefragt, wie können wir auch die Familie integrieren? Können wir etwas tun, damit er den Kopf frei hat für die Arbeit und die Sprachkurse?“ Mit vereinten Kräften haben sie es geschafft, dass die Kinder einen Kindergartenplatz bekommen. Nun ist es der Frau auch möglich, in Deutschland Fuß zu fassen und einen Deutschkurs zu besuchen. weiter...


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