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13.12.2018 13:57 Alter: 40 days

Von Pionieren und Leuchttürmen

Es sollte die letzte Veranstaltung der CSSA werden – und sie war ein würdiger Abschluss, die Tagung der Sozialpartner-Initiative InnovA „Innovative Arbeitswelten in der chemischen Industrie“.



InnovA-Tagung zeigt, worauf es in Veränderungsprozessen ankommt

Es sollte die letzte Veranstaltung der CSSA werden – und sie war ein würdiger Abschluss, die Tagung der Sozialpartner-Initiative InnovA „Innovative Arbeitswelten in der chemischen Industrie“. Insgesamt 23 Geschäftsführer, Betriebsräte, Führungskräfte und HR-Fachleute kamen am 27. November 2018 nach Bonn ins Dorint Hotel, um mehr über die Ergebnisse und Erkenntnisse aus InnovA zu erfahren.

InnovA passt hervorragend in die heutige Zeit der Veränderungen durch Megatrends wie die Globalisierung oder die Digitalisierung. Mit dieser Aussage begrüßte Michael Linnartz, Vorstandssekretär bei der IG BCE, stellvertretend für die Chemie-Sozialpartner die Tagung. Auch die Arbeitsbedingungen unterliegen einem permanenten Veränderungsprozess. „Diese Veränderungen wollen wir als Sozialpartner gemeinsam angehen“, sagte Linnartz und dankte der CSSA, den Unternehmen, Führungskräften, Betriebsräten und Mitarbeitern, die sich auf den Weg gemacht haben, die Veränderungsprozesse mitzugehen.

Auch Wolfgang Husemann vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hob in seiner Keynote den zukunftsorientierten Ansatz von InnovA hervor, der seiner Meinung nach unbedingt weitergeführt werden müsse: „Dem Projekt InnovA ist es gelungen, auf den spezifischen Bedarf der Unternehmen einzugehen und gleichzeitig einen Mehrwert für die gesamte Chemiebranche zu erlangen.“ Der Leiter der Gruppe Europäische Fonds für Beschäftigung bedauerte die Auflösung der CSSA, denn die Stiftung sei ein Stück gelebte Sozialpartnerschaft, ein Pionier auf vielen verschiedenen Ebenen und Erfolgsträger für die Chemiebranche.

Veränderungen begleiten und steuern

Was machen Veränderungen mit der Gesundheit der Beschäftigten? Und wie müssen Führungskräfte vorbereitet werden, damit sie diese meistern können? Diesen Fragen widmete sich Dr. Birgit Thomson, Senior Scientist in der Gruppe „Wandel der Arbeit“ bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). In ihrem Vortrag über die Rolle von und die Anforderungen an Führungskräfte in Veränderungsprozessen wies sie auf das neu entwickelte Qualifizierungstool zur Unterstützung von Führungskräften und Betriebsräten hin (Download: www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2340.html). Wichtig sei vor allem die Unterstützung des Unternehmens, indem es die nötigen Ressourcen bereitstellt. Restrukturierungen sind zwar notwendig und bieten Chancen. „Aber sie sind kein Allheilmittel“, so Thomson. „Der Schlüssel ist, wie sie im Betrieb begleitet und gesteuert werden.“

Ebenso wie eine gute Sozialpartnerschaft, hängt auch der Erfolg von Veränderungen an den handelnden Personen. „Eine gute Sozialpartnerschaft ist nicht von sich heraus da, sondern muss gehegt und gepflegt werden“, sagte Marc Diehl, Human Resources der Infraserv Höchst. Gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden Rhein-Main, Michael Seipel, stellte er das Praxisbeispiel „Wissenstransfer – Wissen erhalten, Zukunft gestalten“ des InnovA-Projekts bei der Infraserv Logistics GmbH vor. Aus dem Pilotprojekt am Standort Gersthofen konnten sie viel darüber lernen, wie sie in Zukunft unternehmensweit Nachbesetzungen angehen – und gleichzeitig drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Know-how im Unternehmen halten, Wissen auf mehrere Schultern verteilen, die Basis verjüngen.

Alle Akteure miteinbeziehen

Das zweite InnovA-Unternehmensbeispiel kam von der Mineraloelraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG. Der Betriebsratsvorsitzende Peter Hauck referierte zum Thema „Frauen in der Produktion – Vereinbarkeit von Familie und Schicht“. Es war ein langer Weg, eine Kulturänderung und ein Umdenken im Kopf der Beschäftigten zu erreichen.
Beide Unternehmen bestätigen als Erfolgsfaktoren, den Schwerpunkt der Projektaktivitäten auf die anfängliche Konstituierungsphase zu legen und alle relevanten Akteure miteinzubeziehen. Ebenso haben sie die Erfahrung gemacht, dass eine kontinuierliche Kommunikation mit der Belegschaft und die Information über Projektplanung und Ergebnisse unumgänglich sind. Projektleiterin Ulrike Weiß beschreibt es so: „Viele Dinge sind nach Jahren der Zusammenarbeit so selbstverständlich, dass sie nicht mehr diskutiert werden. Deshalb haben wir jedes Mal wieder neu die Frage gestellt ‚Was heißt eigentlich Beteiligung?‘“

Die InnovA-Unternehmensbeispiele sind Leuchttürme mit großer Dynamik. Dr. Martin Hingst, Leiter Projektentwicklung bei der CSSA: „Diese guten Ansätze haben sich noch nicht entsprechend verbreitet. Aber wir sehen immer mehr Unternehmen in der Diskussion, stärkere Beteiligung zu erproben.“ Und Boris Wein, HR Head of Total Rewards & Relationship Management bei der Lanxess Deutschland GmbH resümiert: „Das, was wir hier machen, muss weiter verbreitet werden. In andere Branchen, wo die Sozialpartnerschaft kulturell nicht so stark verankert ist.“

Die CSSA und das InnovA-Projektteam bedanken sich bei den beteiligten Unternehmen, dem BMAS und dem BVA für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und den inspirierenden Austausch.

Ab sofort gibt es die Broschüre über die Erkenntnisse und Erfahrungen aus InnovA zum Download.


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